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Kulturberichte 1/98: Kleine Nachrichten

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Bauhaus-Archiv

Andreas Feininger - Photographs 1928-1988

"Fotografie, die Sprache des Sehens, ist mein Medium. Indem sie die Kluft zwischen Sprache und Buchstaben überbrückt, wird sie zum idealen Mittel der weltweiten Kommunikation."

Andreas Feininger, ältester Sohn des amerikanischen Malers Lyonel Feininger, gehört zu einer Künstlergeneration, die in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg die Fotografie als künstlerisches Medium für sich entdeckte und eine neue fotografische Sehweise entwickelte. Klarheit, Einfachheit und Organisation sind für den Meisterfotografen die Grundprinzipien seiner Arbeit. Wie kaum ein anderer versteht er es, Bildinhalte mit strengen formalen Kriterien, wie Perspektive und Komposition, zu verknüpfen.

Am Bauhaus in Weimar, wo auch sein Vater als Lehrer tätig war, absolvierte Andreas Feininger eine Ausbildung zum Kunsttischler. Sein Interesse für Fotografie entwickelte sich in den zwanziger Jahren, während seines Architekturstudiums an den staatlichen Bauschulen in Weimar und Zerbst. Er beschäftigte sich zunächst mit den technischen Aspekten der Fotografie und experimentierte mit verschiedenen Verfahren, wie Solarisation, Fotogramm und Bas-Relief. Da er sich eine Kamera mit extremem Teleobjektiv nicht leisten konnte, konstruierte er sie selbst. Nach Abschluß seines Studiums arbeitete er als Architekt in Hamburg und für kurze Zeit in Paris bei Le Corbusier. Als ihm in Frankreich die Arbeitserlaubnis entzogen wurde, ging er 1933 nach Stockholm. Hier konzentrierte er sich zunehmend auf die Fotografie und machte sich sehr bald einen Namen als renommierter Architekturfotograf. Um bei den Architekturaufnahmen perspektivische Verzerrungen zu vermeiden, baute er sich ein Vergrößerungsgerät mit optischem Perspektivausgleich. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs emigrierte Feininger nach New York. Seine Ansichten dieser Metropole, die kurz nach seiner Ankunft entstanden, zählen heute zu den Klassikern der Fotografiegeschichte. In New York arbeitete er zunächst als freischaffender Fotograf, wurde aber bereits 1943 als Bildredakteur beim Life-Magazin angestellt. Er gehörte fast zwanzig Jahre dem Fotografenstab der Zeitschrift an, die als Wegbereiter der zeitgenössischen Bildberichterstattung gilt. Nachdem er das Magazin 1962 verlassen hatte, veröffentlichte er zahlreiche Fotolehrbücher, die inzwischen zu den Standardwerken der Fotoschule zählen.

Andreas Feiningers Werk ist von zwei großen Themenkomplexen bestimmt: Stadtansichten und Naturmotive. Die Architektur und das Leben seiner Wahlheimat New York hat ihn über die Jahrzehnte hinweg fasziniert. Immer wieder hielt er die Skyline von Manhattan, die Straßenschluchten, die Wolkenkratzer, die Brücken und Hochbahnen in atmosphärisch dichten Bildern fest. Mit derselben Begeisterung widmete er sich den Naturstudien. Seine minutiösen Detailaufnahmen von Insekten, Blumen, Muscheln, Holz und Steinen verleihen den in der Natur vorgefundenen Formen einen skulpturalen Charakter. In seiner strengen Komposition entfaltet der Mikrokosmos eine monumentale Wirkung.

Ende der achtziger Jahre hat Andreas Feininger das Fotografieren aufgegeben und sich dem Archivieren seiner Arbeiten zugewandt. Mit dieser Ausstellung, an deren Bildauswahl er selbst beteiligt war, soll seine Bedeutung als einer der herausragenden Fotografen unseres Jahrhunderts dokumentiert werden (Laufzeit: 11. März bis 1. Juni 1998).

Die retrospektive Ausstellung begleitet ein Katalog (39,- DM, Verlag Photographie) mit 86 Lieblingsbildern und Texten von Andreas Feininger, der auch im Buchhandel als Hard-Cover-Ausgabe (98,- DM) unter dem Titel "Warum ich fotografiere" erhältlich ist.

Die Ausstellung wird gefördert von der DG Bank Kunstförderung (Ausstellungs- und Tourneeorganisation: Institut für Kulturaustausch, Tübingen). 

 

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