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Kulturberichte 1/98: Die Sammlung Heinz Rühmann

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Werner Sudendorf

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Niemand hat so wie er den deutschen Humor verkörpert, niemand den Durchschnittsbürger, den kleinen Mann auf der Suche nach seinem privaten Glück über Jahrzehnte so glaubwürdig dargestellt wie Heinz Rühmann. Rühmann war keine idealisierte Heldenfigur, kein mit Glamour sich schmückender Star, er war die Personifizierung des menschlich verzauberten Alltags - und gerade deshalb war und ist er im generationsübergreifenden Maßstab zweifellos der populärste deutsche Schauspieler unserer Zeit.

Mit seiner leicht heiseren, hellen Stimme, seiner Kleinwüchsigkeit und schmächtigen Gestalt war er dafür prädestiniert, jene zu spielen, die das Leben immer wieder übersieht. Diese vermeintlichen Schwächen waren Schutz und Stärke zugleich. Niemand hätte ihm in der NS-Zeit die Rolle eines Fanatikers, einer Herrscherfigur, eines Hurra-Patrioten abgenommen; seine Sprache allein verwandelte Parolen zu hohlen Phrasen, seine Art zu gehen verbog den Stechschritt zu einer gymnastischen Übung, sein bescheidenes Auftreten ließ autoritäres Gehabe zu eitlem Protz werden. Rühmanns Stärke lag in seiner absoluten Glaubwürdigkeit. Seine Figuren waren jedem vertraut und sie waren jedes Vertrauens würdig.

Rühmann war ein Schauspieler der leisen Töne, der stillen Rebellion, der naiven Gewitztheit - einer, der den Mächtigen uind dem Schicksal mit Gelassenheit und Humor eine lange Nase zeigt. Als er in "Quax, der Bruchpilot" (1941; Regie: Kurt Hoffmann) in einem Tümpel notlandet, kommentiert er die fatale Situation trocken: "Die Badesaison ist eröffnet". Unvergessen ist auch seine Vorstellung als Pennäler Pfeiffer in "Die Feuerzangenbowle" (1943; Regie: Kurt Hoffmann): "Pfeiffer mit drei fff - eins vor und zwei nach dem ei." Zu seinem Tod schrieb der bekannte Kulturkritiker Joachim Kaiser: "Er spendete Glück, war Symbol, Idol und am Ende sogar eine Art Mythos. Die Trauer wird rasch dem Glücksgefühl darüber weichen, daß es in Deutschland so lange und so folgenreich einen Komiker und Künstler von Rühmanns Rang gegeben hat."

Bekannt wurde Heinz Rühmann, der 1902 in Essen geboren wurde, vor allem durch seine Mitwirkung an über 100 Filmen: als Darsteller, als Produzent und als Regisseur. Vor allem aber war er "Der Hauptmann von Köpenick" (1956; Regie: Helmut Käutner) - seine populärste, eindrucksvollste und im besten Sinne volkstümlichste darstellerische Leistung. In Theater und Film spielte er unter den besten Regisseuren seiner Zeit, unter Max Reinhardt, Gustaf Gründgens, Fritz Kortner, Heinz Hilpert, Wolfgang Liebeneiner, Helmut Käutner und August Everding - um beispielhaft nur einige zu nennen. Seine letzte Filmrolle in Wim Wenders "In weiter Ferne so nah" brachte ihn 1992 zurück nach Berlin, jener Stadt, die ihn nach seinen Worten mehr geprägt hat als jede andere.

Gegen Kriegsende ist das Haus Heinz Rühmanns am Kleinen Wannsee mit fast allen persönlichen Dokumenten ausgebrannt. Frau Hertha Rühmann übergab am 22. August 1997 im Roten Rathaus den erhaltenen Teil des Nachlasses dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen.

Überraschend finden sich in der Sammlung dennoch einige Dokumente, die sich auf Rühmanns Biographie der dreißiger und vierziger Jahre beziehen, so unter anderem ein Fotoalbum mit Fotos seines Hauses am Kleinen Wannsee, Werkfotos zu eigenen Regiearbeiten und zu "Quax, der Bruchpilot" und Originalfotos zu "Kleider machen Leute".

Zahlreiche Drehbücher und Textbücher zu Theaterstücken der Nachkriegszeit sind mit Rühmanns Anmerkungen versehen, so "Der brave Soldat Schwejk" und das Textbuch zur berühmten Münchner Aufführung von Becketts "Warten auf Godot" in der Inszenierung von Fritz Kortner.

In seiner beispiellosen Karriere erhielt Rühmann weit über 50 Auszeichnungen, Orden und Preise, die nicht nur seine große und jahrzehntelange ungebrochene Popularität, sondern auch die selten einmütige Wertschätzung von Politikern und Kulturkritikern reflektieren. Neben zwölf Bambis und zahlreichen weiteren Preisen der deutschen und internationalen Filmkritik befinden sich in der Sammlung auch alle offiziellen Ehrungsdokumente, die Heinz Rühmann durch den Bund und das Land Bayern, aber auch durch Städte wie Köpenick und Vereine wie Verehrer verliehen wurden. Die erhaltenen Briefe, unter anderem von Richard von Weizsäcker, Norbert Blüm, Eberhard Diepgen, Helmut Schmidt, Hans Dietrich Genscher, Theo Waigel und Peter Ustinov vermitteln nochmals ein eindrucksvolles Bild seines hohen Ansehens.

Für das zukünftige Filmmuseum am Potsdamer Platz sind vor allem die Requisiten interessant: Rühmanns persönlicher Schminkmantel, ein Frack aus der "Feuerzangenbowle", das komplette Clownskostüm aus seinem legendären Auftritt im Zirkus Krone und die Boxhandschuhe von Max Schmeling - ein Geschenk des Boxers zum 90. Geburtstag des Schauspielers und langjährigen Freundes.

Erworben wurde die Sammlung mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin und mit Spenden von Artur Brauner, der Transit-Film und der Studiotour Babelsberg.

invisible.gif (85 Byte) Werner Sudendorf ist Leiter der Sammlungen der Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin
 

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