Niemand hat so wie er den deutschen Humor
verkörpert, niemand den Durchschnittsbürger, den kleinen Mann auf der Suche nach seinem
privaten Glück über Jahrzehnte so glaubwürdig dargestellt wie Heinz Rühmann. Rühmann
war keine idealisierte Heldenfigur, kein mit Glamour sich schmückender Star, er war die
Personifizierung des menschlich verzauberten Alltags - und gerade deshalb war und ist er
im generationsübergreifenden Maßstab zweifellos der populärste deutsche Schauspieler
unserer Zeit.
Mit seiner leicht heiseren, hellen Stimme, seiner Kleinwüchsigkeit und
schmächtigen Gestalt war er dafür prädestiniert, jene zu spielen, die das Leben immer
wieder übersieht. Diese vermeintlichen Schwächen waren Schutz und Stärke zugleich.
Niemand hätte ihm in der NS-Zeit die Rolle eines Fanatikers, einer Herrscherfigur, eines
Hurra-Patrioten abgenommen; seine Sprache allein verwandelte Parolen zu hohlen Phrasen,
seine Art zu gehen verbog den Stechschritt zu einer gymnastischen Übung, sein
bescheidenes Auftreten ließ autoritäres Gehabe zu eitlem Protz werden. Rühmanns Stärke
lag in seiner absoluten Glaubwürdigkeit. Seine Figuren waren jedem vertraut und sie waren
jedes Vertrauens würdig.
Rühmann war ein Schauspieler der leisen Töne, der stillen Rebellion, der
naiven Gewitztheit - einer, der den Mächtigen uind dem Schicksal mit Gelassenheit und
Humor eine lange Nase zeigt. Als er in "Quax, der Bruchpilot" (1941; Regie: Kurt
Hoffmann) in einem Tümpel notlandet, kommentiert er die fatale Situation trocken:
"Die Badesaison ist eröffnet". Unvergessen ist auch seine Vorstellung als
Pennäler Pfeiffer in "Die Feuerzangenbowle" (1943; Regie: Kurt Hoffmann):
"Pfeiffer mit drei fff - eins vor und zwei nach dem ei." Zu seinem Tod schrieb
der bekannte Kulturkritiker Joachim Kaiser: "Er spendete Glück, war Symbol, Idol und
am Ende sogar eine Art Mythos. Die Trauer wird rasch dem Glücksgefühl darüber weichen,
daß es in Deutschland so lange und so folgenreich einen Komiker und Künstler von
Rühmanns Rang gegeben hat."
Bekannt wurde Heinz Rühmann, der 1902 in Essen geboren wurde, vor allem
durch seine Mitwirkung an über 100 Filmen: als Darsteller, als Produzent und als
Regisseur. Vor allem aber war er "Der Hauptmann von Köpenick" (1956; Regie:
Helmut Käutner) - seine populärste, eindrucksvollste und im besten Sinne
volkstümlichste darstellerische Leistung. In Theater und Film spielte er unter den besten
Regisseuren seiner Zeit, unter Max Reinhardt, Gustaf Gründgens, Fritz Kortner, Heinz
Hilpert, Wolfgang Liebeneiner, Helmut Käutner und August Everding - um beispielhaft nur
einige zu nennen. Seine letzte Filmrolle in Wim Wenders "In weiter Ferne so nah"
brachte ihn 1992 zurück nach Berlin, jener Stadt, die ihn nach seinen Worten mehr
geprägt hat als jede andere.
Gegen Kriegsende ist das Haus Heinz Rühmanns am Kleinen Wannsee mit fast
allen persönlichen Dokumenten ausgebrannt. Frau Hertha Rühmann übergab am 22. August
1997 im Roten Rathaus den erhaltenen Teil des Nachlasses dem Regierenden Bürgermeister
von Berlin, Eberhard Diepgen.
Überraschend finden sich in der Sammlung dennoch einige Dokumente, die sich
auf Rühmanns Biographie der dreißiger und vierziger Jahre beziehen, so unter anderem ein
Fotoalbum mit Fotos seines Hauses am Kleinen Wannsee, Werkfotos zu eigenen Regiearbeiten
und zu "Quax, der Bruchpilot" und Originalfotos zu "Kleider machen
Leute".
Zahlreiche Drehbücher und Textbücher zu Theaterstücken der Nachkriegszeit
sind mit Rühmanns Anmerkungen versehen, so "Der brave Soldat Schwejk" und das
Textbuch zur berühmten Münchner Aufführung von Becketts "Warten auf Godot" in
der Inszenierung von Fritz Kortner.
In seiner beispiellosen Karriere erhielt Rühmann weit über 50
Auszeichnungen, Orden und Preise, die nicht nur seine große und jahrzehntelange
ungebrochene Popularität, sondern auch die selten einmütige Wertschätzung von
Politikern und Kulturkritikern reflektieren. Neben zwölf Bambis und zahlreichen weiteren
Preisen der deutschen und internationalen Filmkritik befinden sich in der Sammlung auch
alle offiziellen Ehrungsdokumente, die Heinz Rühmann durch den Bund und das Land Bayern,
aber auch durch Städte wie Köpenick und Vereine wie Verehrer verliehen wurden. Die
erhaltenen Briefe, unter anderem von Richard von Weizsäcker, Norbert Blüm, Eberhard
Diepgen, Helmut Schmidt, Hans Dietrich Genscher, Theo Waigel und Peter Ustinov vermitteln
nochmals ein eindrucksvolles Bild seines hohen Ansehens.
Für das zukünftige Filmmuseum am Potsdamer Platz sind vor allem die
Requisiten interessant: Rühmanns persönlicher Schminkmantel, ein Frack aus der
"Feuerzangenbowle", das komplette Clownskostüm aus seinem legendären Auftritt
im Zirkus Krone und die Boxhandschuhe von Max Schmeling - ein Geschenk des Boxers zum 90.
Geburtstag des Schauspielers und langjährigen Freundes.
Erworben wurde die Sammlung mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie
Berlin und mit Spenden von Artur Brauner, der Transit-Film und der Studiotour Babelsberg.