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Kulturberichte 1/98: Welche Hand wäscht die andere?

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Das private Kunstengagement expandiert, die öffentliche Hand zieht sich zurück. Eine museumspolitische Podiumsdiskussion in Bonn

Rainer B. Schossig

Am 23. Oktober 1997 fand in der Landesvertretung der Freien Hansestadt Bremen in Bonn eine kulturpolitische Debatte statt, in der Museumsleute und Kunstsammler, Vertreter der Kulturpolitik und Journalisten über die Frage diskutierten, was die Kunstmuseen tun können, um ihre Handlungsfreiheit zu wahren angesichts der Schere zwischen notorisch leeren Kassen der Kommunen und des Bundes hie und opulenten privaten Sammlungsangeboten da. Veranstalter waren die Kunsthalle Bremen - von Oktober 1997 bis Januar 1998 mit ihrer Sammlung zu Gast in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Mitveranstalter der Diskussion) -, Radio Bremen und der AsKI, der die Unkosten für den Abend übernommen hatte.

Nach der Begrüßung durch Herrn Chevalier von der Bremer Landesvertretung und einem Grußwort des stellvertretenden AsKI-Vorsitzenden, Günther Pflug, führte Wulf Herzogenrath, Direktor der Kunsthalle Bremen, in den Problemkreis ein. Er wies darauf hin, daß die öffentliche Förderung der Museen hierzulande nach wie vor beträchtlich sei (mit Ausnahme der Kunsthalle Bremen), beklagte aber den Zug zur Belohnung von "Eventkultur", der die musealen Basisaufgaben zu verdrängen drohe. Thomas Messer, Direktor emer. des Guggenheim Museums New York, jetzt an der Frankfurter Schirn, warnte davor, amerikanische Modelle unbesehen zu kopieren; auch die Kultur des "private endowment" in den USA sei heute in die Krise geraten. An deren Stelle würden zunehmend Publikumsbeiträge und Sponsoring treten, der Staat stehe abseits der "kleinen Kunstwelt". Thomas Deecke, Direktor des Neuen Museums Weserburg Bremen, betonte, er habe in seinem "Sammlermuseum auf Pump" bisher ausgezeichnete Erfahrungen mit der Kooperation privater Kunstsammler gemacht. Karl Weber, Referat Kunst im Öffentlichen Raum beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden, forderte eine bessere Kulturlobby sowie neue Beurteilungskriterien für museums- und damit förderungswürdige Inhalte; die öffentliche Hand sei sonst durch die wuchernde Vielfalt der Initiativen überfordert. Auch Gerhard Köhler, Ministerialdirigent, Abteilung Kultur im Bundesinnenministerium, verwies auf die Kluft zwischen boomenden lokalen Museumssektoren und den Koordinierungsaufgaben des Bundes ("Leuchtturmprogramm"). Wilhelm Schürmann, ein bedeutender privater Kunstsammler aus Herzogenrath (Aachen), beklagte mangelnde Kompetenz und Aufgeschlossenheit der Museumsdirektoren gegenüber neuen, ungewohnten Kunstäußerungen, forderte mehr "uncommon sense" statt des derzeitigen Trends zur "Entsorgung von Privatsammlungen". Dr. Eduard Beaucamp, Kunstjournalist im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, geißelte beredt den Einbruch des Marktes in die Museen und die Kriterien- und Kompetenzschwäche der Häuser, die weder gegenüber dem Staat noch gegenüber privatem Sammleregoismus Position zu beziehen in der Lage seien.

Die Podiumsdiskussion wurde von Radio Bremen moderiert und mitgeschnitten. Ein zahlreich erschienenes, sichtlich kompetentes Publikum verfolgte die Debatte über zweieinhalb Stunden höchst aufmerksam, bevor die gastgebende Bremer Landesvertretung den kontroversen Abend mit einem kleinen Buffet nordischer Spezialitäten harmonisch ausklingen ließ.

invisible.gif (85 Byte) Rainer B. Schossig ist Journalist bei Radio Bremen
 

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