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Kulturberichte 1/98: Die Kunsthalle Bremen zu Gast in Bonn

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Während der Schließung der Kunsthalle Bremen hat das Kuratorenteam um Direktor Wulf Herzogenrath neben intensiver Ausleihtätigkeit eine Reihe von Ausstellungen in Zusammenarbeit mit anderen Häusern realisiert. Die umfangreichste und bedeutendste Schau kam auf Einladung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland zustande. "Die Kunsthalle Bremen zu Gast in Bonn" war der Titel der Ausstellung, zu der ca. 200 Gemälde sowie Skulpturen und etwa 200 Arbeiten auf Papier nach Bonn geschickt wurden. Die größten Schätze aus den Sammlungen präsentierten sich auf zwei inhaltlichen Wegen: Ein nördlicher Weg führte zu Dürer, weiter zur holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts und dann zur deutschen Kunst der Romantik, zum deutschen Impressionismus und schließlich zur Klassischen Moderne. Auf dem südlichen Weg begegnete der Besucher insbesondere der Malerei des Barock und der französischen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Einen besonderen Bereich bildeten Arbeiten von z.B. John Cage und Nam June Paik als Ausblick auf die jüngsten künstlerischen Tendenzen.

In der Reihe der "Meisterwerke aus sechs Jahrhunderten" waren u.a. zu sehen Monets "Camille" (1866), Manets "Zacharie Astruc" (1863), van Goghs "Mohnfeld" (1889), Liebermanns "Papageienallee" (1902), Beckmanns "Selbstbildnis mit Saxophon" (1930). Paula Modersohn-Beckers Bedeutung als Wegbereiterin der Moderne unterstrich die Ausstellung durch eine repräsentative Werkauswahl. Mit Modersohn-Becker wie mit van Gogh dokumentiert sich ein Stück deutscher Museumsgeschichte, waren es doch die Arbeiten dieser beiden Künstler, die Gustav Pauli (Direktor der Kunsthalle von 1899 - 1914) frühzeitig ankaufte und deswegen vehementem Protest aus Besucher- und Künstlerkreisen ausgesetzt war.

Das Kupferstichkabinett zeigte in einer eigens für seine Bedürfnisse konstruierten Raumflucht zahlreiche Zeichnungen, Aquarelle, Druckgraphiken und Illustrierte Bücher. Die Werkauswahl von Dürer über die Italiener und Niederländer des 17. und 18. Jahrhunderts zu den Deutschen und Franzosen des 19. Jahrhunderts bis hin zu Vertretern des Expressionismus, der Klassischen Moderne und aktuellen Zeitgenossen konnte nur einen Überblick geben über die umfangreichen Bestände der Graphischen Sammlung, die in Bremen bewahrt werden.

Die Ausstellung, die in Bonn vom 10. Oktober 1997 bis zum 11. Januar 1998 zu sehen war, trug als Untertitel einen Ausspruch Rainer Maria Rilkes anläßlich der Eröffnung der neuen Kunsthalle im Jahre 1902: " ... hier in diesem Haus wird mancher sehend für ein ganzes Leben." Angesichts der Exponatfülle, die von Bremern und nichtbremischen Kunstliebhabern oft zu wenig wahrgenommen wird, unterstrich die Bonner Präsentation die fortgeltende Berechtigung des Dichterworts.

Als Begleitprogramm organisierte die Kunsthalle Bremen in Zusammenarbeit mit der Landesvertretung Bremen und der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland im Oktober/November 1997 drei Sonderveranstaltungen:

Im Rahmen des "Internationalen Bremer Klavierwettbewerbs 1997" konzertierten die drei ersten Preisträger im Forum der Bundeskunsthalle; das renommierte Bremer Tanztheater führte in einem Gastspiel die von Urs Dietrich choreographierte Produktion "DO RE MI FA SO LATITOD" auf, und in der Landesvertretung Bremen fand eine kulturpolitische Podiumsdiskussion zum Thema "Öffentliche und private Kunstförderung" statt (s. dazu auch nachfolgenden Beitrag).

Als weitere Besonderheit konnte der "Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen", der alle zwei Jahre durch einen Stifterkreis des Kunstvereins in Bremen ausgerichtet wird, in diesem Jahr dankenswerterweise im Bonner Kunstverein verliehen werden. Aus dem Kreis der zehn Kandidatinnen und Kandidaten, die von einer Auswahljury vorgeschlagen worden waren, nahm der in Berlin lebende und arbeitende Olafur Eliasson den mit 30.000 DM dotierten Preis entgegen. 

invisible.gif (85 Byte) Willy Athenstädt ist Baubeauftragter der Kunsthalle Bremen, Museumspädagoge und Referent für Öffentlichkeitsarbeit
 

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