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Kulturberichte 1/98: Stiftung Helmut Jacobi

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Mit vier Generationen der Familie Jacobi stand Goethe in familiärer und freundschaftlicher Beziehung, mit Johanna Fahlmer (1744-1821), mit den in Düsseldorf geborenen Brüdern Johann Georg (1740-1814) und Friedrich Heinrich Jacobi (1743-1819), mit dessen Sohn Max (1775-1858), sowie mit der Schwesterenkelin Cornelia Nicolovius (1802-1833) und deren Ehemann Bernhard Jacobi (1801-1843). Wegen dieser Beziehung hat die Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung durch die großzügige Stiftung Helmut Jacobis, eines direkten Nachfahren von Matthias Claudius und Friedrich Heinrich Jacobi, dessen Name sowohl in "Dichtung und Wahrheit" als auch in der "Campagne in Frankreich" eng mit Düsseldorf-Pempelfort und den Malkastenbauten verbunden ist, eine wesentliche Bereicherung erfahren. Um ihren Rang zu unterstreichen, ist die Zustiftung Helmut Jacobis im Mai 1994 als nationales Kulturgut geschützt und damit in die Liste der nicht ins Ausland zu transferierenden Werte aufgenommen worden.

Maximilian Jacobi
Maximilian Jacobi (1775-1858)
Knabenbildnis
Bleistiftzeichnung von Unbekannt, o.J.
Goethe-Museum Düsseldorf

Die aus dem Nachlaß Friedrich Heinrich Jacobis hervorgegangene, einzigartige Privatsammlung, über Generationen hinweg von einer weitverzweigten Bürgerfamilie zusammengehalten, umfaßt 3.600 Einzelstücke. Ein kleinerer Teil der Stücke wird seit Jahrzehnten im Goethe- und Schiller-Archiv der Stiftung Weimarer Klassik verwahrt, der größere, vor allem lokal- und regionalgeschichtlich geprägte, liegt im Goethe-Museum Düsseldorf. Unter den Autographen befinden sich Briefe von Goethe und Matthias Claudius, "Denkbücher" (Kladden), Tagebuchaufzeichnungen und Briefe von Friedrich Heinrich Jacobi, eine Abschrift von Herders erstem Entwurf zur "Ältesten Urkunde des Menschengeschlechts", sowie ca. 2.000 Briefe und Briefwechsel aus dem Familienumkreis, die Einblicke in das Alltagsgeschehen einer in zahlreichen Lebensbereichen führenden Bürgerfamilie im frühen 19. Jahrhundert erlauben. Unter den ca. 100 Werken der bildenden Kunst sind sechs Ölporträts aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts hervorzuheben, die neben dem dokumentarischen Wert auch künstlerischen Rang für sich beanspruchen können. Radierungen, Bleistiftzeichnungen, Lithographien, Scherenschnittsilhouetten gehören zu diesem Bereich, der durch Erinnerungsgegenstände wie Gemmen, Kameen, Gedenkmünzen, Biscuitreliefs, Predigten, Trauurkunden (darunter die von Schleiermacher), Schreibhefte und -zeugnisse, Vorlesungsmitschriften, Reiseerinnerungen ergänzt wird. Druckschriften der Goethezeit, auch mit eigenhändigen Widmungen, runden die Zeugnisse ab. Ein internes Findbuch, erarbeitet durch Armin Leoni, erschließt diese Quellen.

Unter dem Titel "Philosophen, Kaufleute, Ärzte. Die Düsseldorfer Familie Jacobi" wurde ein Aspekt der Stiftung in einer außerordentlich gut besuchten Sonderausstellung vom 14. September bis zum 2. November 1997 gezeigt, der der bürgerlichen Spannweite einer Kaufmannsfamilie gewidmet war. Im Mittelpunkt standen die familiären Beziehungen, zunächst zu den Brüdern, dann zu Claudius, dessen Tochter mit dem von Goethe betreuten Mediziner Max Jacobi verheiratet war. Weitere Söhne, ein kurzer Ausblick auf die Enkelgeneration schlossen sich an. Eine medienwirksame Brisanz, die bis zum Nachrichtendienst der BBC reichte, erhielt die Ausstellung durch die These von K. H. Pruys, eine homoerotische Prägung Goethes lasse sich durch Zeugnisse der Begegnung mit Friedrich Heinrich Jacobi nachweisen. Dieser Verkennung der Gefühlssprache des 18. Jahrhunderts konnte bei der Eröffnungsveranstaltung Frau Prof. Dr. Monika Nenon (Memphis/Tennessee) widersprechen, die der gefühlvollen Begegnung Wielands, Jacobis und Sophie von La Roches im Mai 1771 in Koblenz besondere Aufmerksamkeit widmete.

Die Ausstellung versteht sich als Auftakt einer sukzessiven Erschließung der Stiftungsmaterialien, der weitere Ausstellungen folgen sollen. Sie wird damit dem Stiftungssinn gerecht, der auch dadurch zum Ausdruck kommt, daß Helmut Jacobi die Ausstellung mit einem Typoskriptdruck "Goethe und Jacobi" begleitet hat.  

invisible.gif (85 Byte) Prof. Dr. Volkmar Hansen ist Direktor des Goethe-Museums Düsseldorf
 

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