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Jörg Clemen

Altes Bach-Denkmal
gestiftet 1843
von Felix Mendelssohn-Bartholdy |
Der Bereich "Veranstaltungen" der
Stiftung Bach-Archiv hat ebenso wie die Bereiche
Forschung, Bibliothek und Museum seine Wurzeln im Bachjahr 1950. Unter der Überschrift
"Deutsche Bach-Feier" fanden damals nicht nur
zahlreiche Konzerte mit hochkarätigen Künstlern
aus der ganzen Welt statt, sondern auch der erste Internationale
Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb, für dessen Jury unter anderem Dmitri
Schostakowitsch gewonnen wurde. In den folgenden Jahren fanden im Gohliser Schlösschen, Sitz
des Bach-Archivs 1951-85, sporadisch Kammerkonzerte statt, oft gebunden an einen Vortrag.
Einen eigenen Arbeitsbereich konnten diese
Veranstaltungen freilich kaum beanspruchen. Seit
dem Umzug in das am südlichen Thomaskirchhof
gelegene Bosehaus finden regelmäßig
Konzertabende statt. Der barocke Sommersaal mit seiner ausgewogenen Akustik und dem
stilvollen Ambiente bietet nahezu ideale Bedingungen
für kleinere Ensembles und solistische
Auftritte. Sechzig Besucher finden in ihm Platz. Da der
Saal zum Bach-Museum gehört, firmieren die
jeden Mittwochabend stattfindenden Konzerte seit
Anfang der neunziger Jahre unter der
Überschrift "Konzerte im Bach-Museum". Sie bilden
gewissermaßen den Kern der im Bach-Archiv
stattfindenden Veranstaltungen.

Gohliser Schlösschen
Konzert Bachfest 2000 |
Und sie erfüllen
innerhalb des an Musik reichen Leipziger
Kulturlebens eine einzigartige Funktion: Nirgends sonst
wird so konsequent Kammermusik zwischen 1600 und 1800 auf historischen Instrumenten gepflegt.
Nirgends sonst sind Synergien zwischen Forschung und musikalischer Praxis so hautnah erlebbar
wie im Bach-Archiv. Wie bei einer ambitionierten Programmgestaltung zu erwarten, gastieren häufig
international renommierte Interpreten und Ensembles.
Aber auch Nachwuchskünstler und Studierende
der Fachrichtung "Alte Musik" der Hochschule
für Musik und Theater "Felix Mendelssohn
Bartholdy" Leipzig finden hier ein Podium. Die
Reihe "Bachpreisträger musizieren" zum Beispiel
bietet Preisträgern des vom Bach-Archiv
ausgerichteten Internationalen
Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerbs regelmäßig die Möglichkeit,
ihr Können dem Publikum vorzustellen und auf
diese Weise einen Weg ins Konzertleben zu finden.
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Thematische Reihen wie "Die Musikstile
Europas um 1700", "Musik auf historischen
Tasteninstrumenten", "Sinfoniekonzert im
Sommersaal" (mit seltenen Bearbeitungen sinfonischer
Werke für Kammerbesetzungen), Wort-Musikprogramme sowie Konzerte zu
Ausstellungseröffnungen oder zu vom Kirchenjahr bestimmten
Anlässen wie Ostern, Reformationstag und Advent
ergänzen das Gesamtprogramm. Rund ein Dutzend Mal pro Jahr ächzt der hölzerne
Treppenaufgang zum Sommersaal in der zweiten Etage unter
der munter beweglichen Last mehrerer Schulklassen. An der Konzeption und Durchführung von
Schülerkonzerten für unterschiedliche
Altersgruppen sind Mitarbeiter des Bach-Archivs
maßgeblich beteiligt.
Flankiert werden die wöchentlichen Kammerkonzerte von zwei Großveranstaltungen:
Bachfest Leipzig und Bach-Wettbewerb. Letzterer
war ursprünglich als singuläres Ereignis und
Bestandteil des Bachfestes von 1950 konzipiert und
wurde in den Fächern Klavier, Orgel, Gesang,
Violine und Cembalo ausgerichtet. Zu den
Preisträgern gehörten viele junge Künstler, die
später international bekannt wurden; darunter die
Pianisten Tatjana Nikolajewa und Jörg Demus,
die Organisten Karl Richter und Diethard Hellmann und die Geiger Igor Besrodny und Michail
Waiman.

Konzert des Thomaner-Chors
anlässlich des Bachfestes Leipzig
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Johann Sebastian Bach
Kurtzer, jedoch höchsnöthiger Entwurff einer
wohlbestallten Kirchen Music
vom 23. August 1730
Darin listet Bach Mängel und Versäumnisse
innerhalb des Leipziger Musikbetriebes
speziell im Hinblick auf
den Thomaner-Chor auf:
Ein Drittel der 55 Thomaner
war nach Bachs Meinung "Ausschuß"
und bar jedweder musikalischer Kompetenz. |
Der Gedanke, einen zyklisch wiederkehrenden Wettbewerb zu etablieren, reifte trotz
des überraschenden Erfolges von 1950 erst in
den sechziger Jahren heran. Infolgedessen fand der zweite Bach-Wettbewerb, veranstaltet vom
Bach-Komitee der DDR, 1964 statt.
Der "Internationale Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb" ist seit 1965 Mitglied der
WORLD FEDERATION OF INTERNATIONAL MUSIC COMPETITIONS (Genf). Dem 1957 ins
Leben gerufenen Dachverband gehören heute
weltweit etwa einhundert Musikwettbewerbe an.
Gemein
sam werden Probleme diskutiert, wie zum Beispiel die Beurteilungskriterien für
künstlerische Leistungen, Anzahl und Höhe der Preisgelder
und organisatorische Fragen. Die internationale Zusammenarbeit zielt dabei auch auf die über
den Wettbewerb hinausgehende Förderung von Preisträgern. Bis 1996 folgte alle vier Jahre
eine neue Ausgabe der Leipziger Konkurrenz, wobei sowohl die Anzahl der vergebenen Preise
als auch die Bewertungskategorien (ab 1972 im Fach Gesang Einzelwertung Männerstimmen
und Frauenstimmen) sich veränderten. Ab 1984
fand der Wettbewerb in der Regie der "Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten Johann
Sebastian Bach der DDR" statt. Nach der
politischen
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Emil Rovner, Russland
Erster Preisträger, Violoncello
XI. Internationaler
Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb
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Öffentlich und im besten Sinne weltoffen
ist auch das Bachfest Leipzig, das vom 3.-12. Mai 2002 stattfindet und unter dem Motto
"Bach
und die französische Musik" steht. Ein junges
Festival, dieses 1999 ins Leben gerufene Bachfest, dessen Vorläufer bis in den Anfang des
zwanzigsten Jahrhunderts zurückreichen. Bereits
heute wird das nunmehr vierte "Bachfest Leipzig"
auch von der Politik als ein wichtiges Ereignis von
internationalem Rang wahrgenommen: Der Präsident der Republik Frankreich, Jacques
Chirac, hat für 2002 die Schirmherrschaft
übernommen, und die Eröffnungsrede wird Bundespräsident
Johannes Rau halten. Zahlreiche thematische Konzerte, aber auch renommierte
Gast-Ensembles

Violoncellistinnen aus Frankreich
Internationaler Johann-Sebastian-Bach-
Wettbewerb 1998 |
Und wie geht es danach weiter? Künftig
wird der Bereich Veranstaltungen sein
Leistungsspektrum gezielt ausbauen. Da sind die Konzerte
im Sommersaal, die als Saisonkonzerte des Bach-Archivs neue Inhalte und ein neues Gesicht
erhalten werden. Da ist der lang erhoffte Einbau eines Fahrstuhls, der endlich auch
Behinderten den Zugang zum Museum und zum Sommersaal ermöglicht. Da ist das Kartenbüro, das
seinen Service noch stärker an den technischen
und organisatorischen Erfordernissen modernen Verkaufsmanagements ausrichten wird. Da sind
dramaturgische und konzeptionelle
Überlegungen, wie vorhandene Ressourcen noch besser in
den täglichen Arbeitsablauf und in Einzelprojekte
eingebunden werden können. Und nicht zuletzt:
Die beiden Großveranstaltungen Bachfest und
Bach-Wettbewerb werden auch in Zukunft eine Herausforderung nicht nur für die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung
Veranstaltungen sein, sondern für die gesamte Stiftung
Bach-Archiv Leipzig.
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