Tagung der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften
und Gedenkstätten
Michael Rölcke / Sabine Jung
Vom 19. bis 21. November 2001 fand im Literarischen Colloquium Berlin die von der
Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und
Gedenkstätten (ALG) ausgerichtete Tagung "Zwischen Reliquienkult und Reizüberflutung" statt.
In verschiedenen Vorträgen erörtert wurden die
Fragen, wie und ob sich Literatur überhaupt
ausstellen lässt, worauf die Ausstellung abzielen soll,
wie man "Publikumserfolg" erzielt und welche
Konzepte so tragfähig sind, dass sowohl
Ausstellungsmacher als auch Besucher mit dem Ergebnis
zufrieden sind. Ein Anliegen der ALG war es dabei, Anregungen zur Neugestaltung von
Dauerausstellungen zu geben.
Zunächst wurden die allgemeinen Bedingungen von Literaturausstellungen erörtert. Prof.
Dr. Bernhard Graf (Institut für Museumskunde,
Berlin) referierte überblicksartig den aktuellen
Stand der Museumsentwicklung in Deutschland. Prof.
Dr. Hans Wilderotter (FH für Technik und
Wirtschaft Berlin, Museumskunde) verdeutlichte
allgemeine Probleme und besondere Bedingungen bei
der Planung von Literaturausstellungen. Für die
Erstellung eines "Drehbuches" plädierte Dr.
Hans Wißkirchen (Buddenbrookhaus, Lübeck), der
befand, dass man nur mit einer wissenschaftlichen Grundlage eine Ausstellung erfolgreich
konzipieren könne.
Unterschiedlich gestaltete Ausstellungen wurden am zweiten Tagungstag vorgestellt. Dr.
Walter Gödden und Robert Ward
(wissenschaftlicher Leiter bzw. Designer/Gestalter,
Westfälisches Literaturmuseum, Haus Nottbeck) berichteten
von ihren Erfahrungen beim Umbau eines alten
Rittergutes in ein Museum für westfälische
Literatur. Wie eine Ausstellung unter besonderen
räumlichen und sicherheitstechnischen
Bedingungen entsteht, erzählten Irene Stratenwerth und
Dr. Chana Schütz - beide entwickelten im
Centrum Judaicum Berlin die Ausstellung zu Jakob
van Hoddis.
Cornelia Nenz (Fritz-Reuter-Literaturmuseum, Stavenhagen) führte vor, wie eine zu
DDR-Zeiten konzipierte ständige Ausstellung den
veränderten Besucherinteressen und neuen
Ausstellungskonzepten angepasst werden kann.
Oliver Heilwagen (Journalist) polemisierte das
Ausstellen von Literatur aus der Warte des
Besuchers: über die Unmöglichkeit, Literatur
angemessen auszustellen. Der Besuch der neuen
Dauerausstellung im Kleist-Museum in Frankfurt/Oder
bot den Tagungsteilnehmern die Gelegenheit zur praktischen Auseinandersetzung. Im
Gegensatz zu den lobenden Rezensionen der Presse
beurteilten die Fachleute die Umsetzung des
Ausstellungskonzeptes anders und diskutierten
kontrovers mit Museumsfachmann Wolfgang Barthel.
Am letzten Tag der Tagung stellte Claudia Lemhoefer (Public Relations / Medienarbeit)
unter dem Titel "Gewusst wie - Auch Literaturmuseen gewinnen durch
Beziehungsmarketing" einige Aspekte des Kultursponsorings, der
Öffentlichkeitsarbeit und der Mitteleinwerbung
vor. Während der Podiumsdiskussion mit
Heidemarie Vahl (Heinrich-Heine-Institut), Dr. Heike
Gfrereis (Schiller-Nationalmuseum), Oskar Geidner
(Wolfram-von-Eschenbach-Museum) und Prof. Dr. Christoph Perels (Frankfurter
Goethe-Museum) wurde vor allem nochmals die Frage
aufgegriffen, wie mehr Besucher für Literaturausstellungen zu begeistern sind und was zu tun ist,
um sie zum Verweilen zu animieren.
Die Tagung bot ein ideales Forum für
große Häuser und kleine Institute, ihre Profile zu
schärfen und sich zu vernetzen.