Dokumentations- und Forschungsprojekt des Fritz Bauer Instituts:
Die fiskalische Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945
Im Herbst 1998 zeigte das Stadtmuseum
Düsseldorf die Ausstellung "Betrifft: 'Aktion 3' - Deutsche verwerten jüdische Nachbarn". Sie
dokumentierte erstmals die Rolle der Finanzverwaltung bei der Entziehung und Verwertung
"jüdischen Vermögens" unter der NS-Diktatur.
Das starke Echo, das diese Ausstellung in der
Öffentlichkeit gefunden hat, und die daraufhin
einsetzende Diskussion über die Mitwirkung des
Fiskus am Holocaust, veranlasste damals die hessische Landesregierung, Mittel in Höhe von
DM 200.000 für ein auf Hessen bezogenes Dokumentations- und Forschungsprojekt zu dieser
Thematik bereitzustellen und hiermit das Fritz
Bauer Institut in Frankfurt am Main zu beauftragen.
Das Projekt wird nun seit Mitte März 2000
in enger Zusammenarbeit mit dem Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden
durchgeführt. Dort werden in erheblichem Umfang
einschlägige Akten des Oberfinanzpräsidiums Kassel,
der Devisenstellen Kassel und Frankfurt am Main sowie einzelner Finanzämter aus der
NS-Zeit aufbewahrt. Zugleich sind allerdings Aktenverluste in größerem Ausmaß festzustellen.
Dies gilt vor allem für die mit der Verwertung
des entzogenen Vermögens beauftragten Stellen
der Finanzämter sowie für die Dienststellen der
Gestapo. Die betreffenden Unterlagen sind teils durch Kriegseinwirkung in Verlust geraten,
teils vor Kriegsende absichtlich vernichtet worden.
Ziel des auf zwei Jahre angelegten Projekts ist es zum einen, eine wissenschaftliche
Darstellung der Folgen der nationalsozialistischen
Steuergesetzgebung für die jüdische Bevölkerung und
der Beteiligung der Finanzverwaltung an der Entrechtung und Ausplünderung der Juden zu erarbeiten
- jeweils bezogen auf die konkrete
Situation im Gebiet des heutigen Landes Hessen.
Zum anderen sollen die hierzu in den staatlichen
Archiven aufbewahrten Aktenbestände - einschließlich der umfangreichen Unterlagen
aus dem Bereich der Wiedergutmachung - eingehend beschrieben und näher erschlossen werden.
Die Ergebnisse sollen veröffentlicht werden
und künftig als Handreichung für die Forschung
zur Verfügung stehen.
Ansprechpartner: Frau Dr. Irmtrud Wojak vom Fritz
Bauer Institut (Tel.: 069/9758110; Fax: 069/97581190) sowie
Herr Dr. Volker Eichler vom Hessischen Hauptstaatsarchiv
(Tel.: 0611/881119; Fax: 0611/881145)