Was wären Verbände, Vereine,
Arbeitskreise ohne ihre Geschäftsführerinnen und
Geschäftsführer! Doch gibt es freilich Unterschiede:
Die einen erweisen sich als hemmendes Element, die anderen als vorwärtsdrängende Beleber.
Konrad Scheurmann hat das Profil des
Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute (AsKI) von
1988 bis zum Frühjahr 2001 nachhaltig geprägt,
nur unterbrochen durch eine gut zweijährige
Tätigkeit für die europäische Kulturhauptstadt
Weimar. Er gehört ganz gewiss in die zweite,
nicht die erste Kategorie. Dafür spricht die lange Liste der Vorhaben des AsKI, die er
mitgestaltete, ebenso wie die deutliche Veränderung des
Erscheinungsbildes und der Mitgliederzahl, welche der AsKI in der Ära Scheurmann erlebte.
Konrad Scheurmann war durch Temperament, Ausbildung und Berufserfahrung darauf gut
vorbereitet. Die Kunst der Moderne ist sein eigentliches Feld. Sein Studium der
Kunstgeschichte schloss der gebürtige Hesse an der
Universität Gießen mit einer Doktorarbeit über den
belgischen Surrealisten Paul Delvaux ab; in
Kassel leitete er zehn Jahre lang das "documenta
archiv" für die Kunst des 20. Jahrhunderts, bis er
zum AsKI nach Bonn ging. Hinter seinem eher leisen Auftreten stecken Offenheit für das Neue
und ein kräftiges Zielbewusstsein. So kann er
sich jetzt vom AsKI verabschieden mit einer langen Liste erfolgreicher Vorhaben. Dazu gehören
zunächst und vor allem die Jahresausstellungen
des Arbeitskreises, stets in Zusammenarbeit mit
möglichst vielen Mitgliedern, vom "Mythos
Europa" über die von allen Mitgliedern getragene
Präsentation "Von der Idee zum Werk", die
Ausstellung über das Reichskammergericht "Frieden durch Recht" bis zu der jetzt unter dem Titel
"Rückkehr in die Fremde?" erfolgreich tournierenden Darstellung der Remigration nach
Deutschland im Spiegel des Rundfunks, an deren
Vorbereitung er nach seiner Rückkehr aus Weimar
tatkräftig mitwirkte.
Einen zweiten Schwerpunkt bildeten die Vorhaben, mit denen im Auftrag des Bundes
oder der Länder Gedenkstätten geschaffen wurden,
begleitet jeweils von Ausstellungen und Publikationen. Das begann mit der
KZ-Gedenkstätte Ladelund und der Erinnerung an die
Euthanasie-Opfer in Hadamar und kulminierte in zwei großen Projekten: dem Gedenkort
"Passagen"
in Portbou/Spanien zur Erinnerung an Walter Benjamin und das Exil der Jahre 1933-45 sowie in
der "Casa di Goethe" in Rom. Beides kostete
über lange Jahre viel Mühe, doch das Ergebnis
spricht für sich selbst. Erinnert sei daran, dass der
damalige Bundespräsident Richard von
Weizsäcker das Benjamin-Vorhaben anregte und
begleitete und dass Bundeskanzler Helmut Kohl die
erstmalige Präsentation der für die Casa
aufgebauten Sammlung in das Bundeskanzleramt einlud.
Seine so erworbene Kompetenz als Realisator ungewöhnlicher Bauvorhaben,
Publikationen und Ausstellungen brachte ihm den Ruf
nach Weimar ein, wo er besonders durch den
zunächst umstrittenen Bau einer Kopie von Goethes
Gartenhaus und durch die deutsche Fassung eines in Dänemark entstandenen Films über Goethes
Farbenlehre Zeichen setzte. Nun hat er sich selbständig gemacht, ein
mutiger Schritt. Mit seinem Unternehmen "Idee +
Konzept" bleibt er indes dem AsKI und seinen
Mitgliedern verbunden: Unser nächstes Vorhaben, das der Rolle der Kulturinstitute als
Gedächtnis der Nation und Europas gewidmet
ist, wird von ihm kuratiert. So ist es also, zum
Glück für alle, noch zu früh für einen Abschied.
Der Vorstand des AsKI verbindet darum mit dem Dank an Konrad Scheurmann für sein
herausragendes Engagement und seine
außergewöhnlichen Leistungen die Hoffnung auf weitere
gute Zusammenarbeit.