Das Museum Ostdeutsche Galerie zeigt eine umfassende Ausstellung über Leben und
Werk von Ida Kerkovius, die in der deutschen
Klassischen Moderne und in der Nachkriegsgeschichte eine außergewöhnliche
Künstlerpersönlichkeit war. Verschiedene Ausstellungen der letzten
Jahre (u.a. in Böblingen 1998 und in
Hofheim/T. 1999), die von Katalogen begleitet wurden,
legten entweder den Schwerpunkt auf die Werke nach 1945 oder beleuchteten Detailaspekte
ihrer Kunst. Diese Ausstellung dagegen versteht sich
als eine Retrospektive des Gesamtwerkes, das die Künstlerin zwischen 1900 und 1970
geschaffen hat.
Die Meisterschülerin und langjährige
Wegbegleiterin von Adolf Hölzel entwickelte
trotz der Einflüsse des "Hölzel-Kreises" und der
Bauhaus-Ideen durchaus ein eigenspezifisches Werk, das in Deutschland nach 1945 große
Verbreitung gefunden hat. In ihren Bildern verband sie
Hölzels Streben nach absoluten Bildharmonien
mit leuchtenden Farben, einer flächigen
Komposition und lyrischen Stimmungen. Die
Begegnung mit Johannes Itten, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer am Bauhaus in Weimar zwischen 1920 und 1924 sollte sich
außerordentlich fruchtbar auf ihre Bildsprache
auswirken. Der Aspekt der Wechselbeziehung
zwischen freier und angewandter Kunst, die bei
Kerkovius parallel in Aktion trat, wird in Ausstellung
und Katalog an Beispielen herausgestellt.
Die Ausstellung enthält 150 Werke (64
Gemälde, 41 Pastelle, 15 Aquarelle, 16 Zeichnungen,
8 Teppiche mit Entwürfen und 6 Serigraphien/Lithographien) aus der Zeit von 1902 bis
1969, wobei die Hälfte der gezeigten Arbeiten vor
1945 entstanden ist. Die formalen und inhaltlichen Entwicklungslinien ihrer Kunst sind
insgesamt ausgewogen und anschaulich dargestellt.
Neben den herausragenden Kunstwerken in
öffentlichen Sammlungen sind für diese Ausstellung
auch bedeutende Werke aus dem in- und
ausländischen
Privatbesitz zusammengestellt worden, die in keiner bisherigen Ausstellung zu sehen waren.
Diese Ausstellung wird zunächst in Regensburg gezeigt und wandert anschließend in
einer kleineren Konzeption nach Riga (Lettland),
wo Kerkovius 1879 als Deutschbaltin geboren wurde. Bis 1939 hielt sie sich in den
Sommermonaten regelmäßig in ihrer Heimat auf. Die
ehemals livländische, heute lettische Hauptstadt Riga
feiert im Jahre 2001 das 800. Jubiläumsjahr
ihrer Gründung und die Auszeichnung als "Europäische Kulturhauptstadt". Das Museum
Ostdeutsche Galerie ergreift mit dieser
grenzüberschreitenden Ausstellung die Initiative, dem
Kulturaustausch zwischen Deutschland und seinen
östlichen Nachbarn, der Pflege und Sicherung
des gemeinsamen historischen Erbes und der Weiterentwicklung der Verständigung zwischen
den Menschen zu dienen.
Laufzeit der Ausstellung: Museum Ostdeutsche
Galerie, Regensburg bis 27. Mai 2001; Arzemju Makslas muzejs,
Riga (Museum für ausländische Kunst Lettlands) 15. Juni
bis 29. Juli 2001
Zur Ausstellung erscheint ein Katalogbuch in deutscher
und lettischer Sprache von ca. 300 S. mit über 150 Farbabb.
sowie 100 Schwarz-Weiß-Abb., bearb. von Gerhard Leistner.