Architektenwettbewerb für die Erweiterung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Im europaweit ausgeschriebenen Architektenwettbewerb für die Erweiterung der
Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar gingen
im letzten Jahr rund 300 Bewerbungen aus Deutschland, Österreich, England, Italien, der
Schweiz und Spanien ein. Unter diesen sind von
einem unabhängigen Gremium etwas mehr als 30
Teilnehmer ausgewählt worden, die dann bis
zum Frühjahr 2000 ihre Pläne für die Erweiterung
der mehr als 300 Jahre alten Forschungsbibliothek mit ihren überaus wertvollen Beständen
einreichen können.
Gefragt sind Ideen, die nicht nur hohen funktionellen Anforderungen gerecht werden,
sondern auch eine zeitgemäße Haltung im
Umgang mit denkmalgeschützter Substanz zum
Ausdruck bringen. Das Gesamtvorhaben, für das die
Stiftung Weimarer Klassik in den kommenden Jahren rund 34 Millionen Mark investieren
wird, umfasst den Ausbau des Roten und Gelben Schlosses am Markt sowie den Bau eines
Tiefmagazins für mehr als eine Million Bücher
unter dem Platz der Demokratie. Über dieses
Magazin sollen das historische Bibliotheksgebäude
und der nahe gelegene Schlösserkomplex
unterirdisch verbunden werden. Im Roten und Gelben
Schloss soll mit modernen Lesesaal- und Benutzerbereichen, Arbeitsplätzen für Stipendiaten,
Editoren und Projektwissenschaftler ein
Kommunikations- und Forschungszentrum der Stiftung
entstehen. Über die eingereichten Lösungskonzepte
wird Ende April 2000 ein Preisgericht befinden,
dem neben Vertretern des Bundes, des Landes, der Stadt Weimar, der Stiftung Weimarer Klassik
und der Denkmalbehörden die Architekten
Eckhard Gerber (Dortmund), Hans Kollhoff (Berlin),
Karsten Merkel (Meiningen), Manfred Ortner (Wien), Karljosef Schattner (Eichstätt) und
Walter Stamm-Teske (Weimar) als Fachpreisrichter angehören.
Für die Herzogin Anna Amalia Bibliothek
geht mit dem Erweiterungsbau, für den im
Januar 2001 der Startschuss fallen soll, ein
unhaltbarer Zustand seinem Ende entgegen. Von den
über 900.000 Bänden des heutigen
Gesamtbestandes müssen inzwischen ca. 80 Prozent in über
die ganze Stadt Weimar verteilten
Außenmagazinen gelagert werden. Im historischen
Bibliotheksgebäude mit seinem einzigartigen Rokokosaal
führen gravierende bauliche Mängel immer
wieder zu konservatorischen Schwierigkeiten, die
die hier untergebrachten wertvollen Bestände
und Sondersammlungen auf Dauer gefährden. In
dem Maße, wie die Buchbestände im neuen
Tiefmagazin konzentriert werden können, wird
auch der aus dem Jahr 1565 stammende Bau für
die lange überfälligen Restaurierungsarbeiten
frei. Voraussichtlich ab 2003 könnten diese
Arbeiten, bei denen sich die Stiftung auch um
Unterstützung durch Dritte bemüht, beginnen.