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Kulturberichte 1/00: Kleine Nachrichten - Kunsthalle in Emden

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"Marc Chagall - Die Lithographien" und "Chagall für Kinder"

Marc Chagall (1887, Liozno bei Witebsk - 1985, Saint-Paul-de-Vence) gilt als einer der großen Erzähler in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Am Beginn seiner achtzig Jahre umfassenden Schaffenszeit stehen eindringlich expressive Arbeiten sowie individuelle Spielformen kubistischer Malerei. Ohne Bruch entwickeln sich aus ihnen gegen 1920 die lyrisch-melancholisch gestimmten Traumbilder, an denen der Künstler seinen unverkennbaren Stil in immer neuen Bildgedichten herausarbeitet. Chagall bedient sich dabei einer Bildsprache, deren Vokabular er aus der osteuropäischen Volkskunst, jüdisch- und christlich-religiösen Motiven sowie den dörflich-jüdischen Lebenswelten der so genannten Schtetl entwickelt, wobei seine Kunst immer wieder um das Thema erwachender Liebe zwischen Mann und Frau kreist. Wesentliches Element in Chagalls Bildwelt ist das innere Leuchten von Figuren und Dingen, das ihn neben der Ölmalerei auch zur Auseinandersetzung mit der Glasmalerei und der Graphik führt.

In einer Ausstellung vom 18. März bis 14. Mai 2000 präsentiert die Kunsthalle in Emden aus dem umfangreichen Konvolut der Sammlung Sorlier etwa 130 herausragende Arbeiten aller Schaffensperioden, die zugleich den außerordentlichen Reichtum des lithographischen Œuvres vermitteln und einen repräsentativen Einblick in das gesamte künstlerische Schaffen Marc Chagalls bieten. Die Sammlung Sorlier ist eine der weltweit umfassendsten Kollektionen der Lithographien Chagalls. Charles Sorlier war seit 1950 Drucker des Künstlers im Pariser Atelier von Fernand Mourlot, der zwischen 1960 und 1986 den sechsbändigen Werkkatalog der Lithographien herausgegeben hat. Die Sammlung umfasst 1050 Blätter aus den Jahren zwischen 1922 und 1985.

Parallel zu den Lithographien wird eine Mitmachausstellung für Kinder von 5 bis 14 Jahren veranstaltet, die den spielerischen Umgang mit Chagalls Kunst ermöglicht. Diese Ausstellung lief bereits mit großem Erfolg im Ausland.

Marc Chagall - Les trois acrobates - Kunsthalle in Emden
Marc Chagall - Les trois acrobates
Paris, 1957, Lithographie
Sammlung Sorlier

Gemälde von Otto Mueller bleibt in der Kunsthalle in Emden

Eines der Hauptwerke des expressionistischen Malers Otto Mueller, das Bild "Knabe vor zwei stehenden und einem sitzenden Mädchen" (1918/1919), wird auch zukünftig in der Kunsthalle in Emden zu sehen sein. Die Stiftung Henri und Eske Nannen hatte das Gemälde im Juni 1999 an die Erben des Breslauer Sammlers Dr. Ismar Littmann (1878-1934) zurückgegeben, nachdem sie wenige Monate zuvor erfahren hatte, dass diese Landschaft mit Figuren zusammen mit anderen Bildern von der Gestapo 1935 aus jüdischem Privatbesitz beschlagnahmt worden war (siehe "Kulturberichte" 2/99, S. 35). Der jüdische Anwalt Littmann war eine der engagiertesten Sammlerpersönlichkeiten der Weimarer Republik.

Ohne seine wahre Herkunft zu kennen, hatte Henri Nannen das Gemälde 1979 von dem Londoner Kunsthändler Achim Moeller erworben. Die Erben des Sammlers, allen voran Ruth Haller, die letzte noch lebende Tochter Ismar Littmanns, gaben der Stiftung Henri und Eske Nannen die Möglichkeit, das Mueller-Bild erneut zu erwerben, damit es weiterhin in einer öffentlichen Sammlung gezeigt werden kann. Mit großzügiger Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Stiftung Niedersachsen, der NORD/LB, der Klosterkammer Hannover, der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Ostfriesischen Sparkassen sowie des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur konnte das wichtige Gemälde des deutschen Expressionismus für die Kunsthalle in Emden gesichert werden.

 

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