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Kulturberichte 1/00: Kleine Nachrichten - Publikationen

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Celan wiederlesen

Eine Veröffentlichung des Lyrik Kabinetts München e.V. (Postfach 440204, 80751 München) in Verbindung mit dem Schiller-Nationalmuseum Marbach. München 1998, 116 S., geb. 30 DM

Kaum etwas hat für das Verständnis Paul Celans in den letzten Jahren mehr geleistet als die große Marbacher Ausstellung "Celan als Übersetzer". Diese wurde anschließend vom Münchner Lyrik-Kabinett übernommen, das, hervorgegangen aus einer begleitenden Vortragsreihe, einen Band publiziert hat, der eine hochinteressante Ergänzung bietet. Solange eine wirkliche Biographie Celans nicht in Sicht kommt, ist es besonders wichtig, die Erinnerungen derjenigen festzuhalten, die Celan noch gekannt haben. Dazu gehört hier der Autor Klaus Voswinckel, besonders aber Fritz Arnold, der seinerzeit als Lektor im Insel-Verlag mit Celan arbeitete. Die Übersetzung von Paul Valérys "Jeune Parque", die dort erschien, ist das eigent liche Zentrum des Bandes, der gerade durch diese Konzentration umso eindrücklicher ist. Arnold erzählt von einer schwierigen Zusammenarbeit, aber auch - in der Schilderung eines fast gespenstischen Ganges durch das nächtliche Paris - von den privaten Bedrückungen des sich verfolgt fühlenden Lyrikers. Ergänzend beschreibt Friedhelm Kemp in seinem Beitrag Celans Poetologie als Übersetzer französischer Lyrik am Beispiel verschiedener Autoren. Der Kreis schließt sich durch den Erstdruck einer umfangreichen, äußerst kritischen Besprechung von Celans Arbeit durch Peter Gan; diese hätte 1961 im "Merkur" erscheinen sollen, doch der Autor zog sie zurück, angesichts der Verleumdungen gegen Celan, die dieser als antisemitisch empfand. "Sie würde mich der Gefahr unerwünschter Zustimmung von unbehaglichster Seite ausgesetzt haben", schrieb Gan an Celan - und schickte ihm das Manuskript des Verrisses. Beiträge zu Jean Cayrols "Nacht und Nebel", einem der ersten Filme über die Konzentrationslager, dessen deutscher Text von Celan stammte, und zu Celans Lektüren russischer Autoren, besonders Ossip Mandelstams, runden den (von Friedrich Pfäfflin hervorragend gestalteten) lesenswerten Band ab, der jeden an Celan Interessierten beschäftigen wird.

Diese Rezension von Wolfgang Matz erschien bereits in der ZEIT vom 14.1.1999.

 

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