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Ausstellung zur Wiedereröffnung des Wilhelm-Busch-Museums Hannover /
Deutsches Museum für Karikatur und kritische Grafik
Gisela Vetter-Liebenow
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Rea Irvin (1881-1972)
Titelblatt von:
The New Yorker 21.2.1983
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Am 14. Juli 2000, kurz nach Eröffnung der EXPO, werden Museum und Garten der
Öffentlichkeit übergeben; erfreuliche
Perspektiven also, die jedoch nicht darüber
hinwegtäuschen dürfen, dass der Umbau und die dadurch
bedingte zeitweise Schließung des Museums für
die Wilhelm-Busch-Gesellschaft vor allem eine enorme finanzielle Belastung darstellen.
Die Restfinanzierung erweist sich als äußerst
mühsam. Der Vorstand der Gesellschaft hat sich
deshalb entschlossen, als ersten Schritt einen Kredit in Höhe von 500.000 DM aufzunehmen.
Dieses Kapital muss in den nächsten Jahren
bedient werden, denn die Schuld soll so schnell wie
möglich abgetragen sein. Nicht nur in diesem,
sondern auch in den kommenden Jahren ist das Wilhelm-Busch-Museum von daher auf
großzügige Spenden angewiesen.
Wichtigste Aufgabe des Wilhelm-Busch-Museums wird es auch zukünftig sein, den
Besucherinnen und Besuchern ein phantasievolles,
abwechslungsreiches und ansprechendes, dabei zugleich anspruchsvolles Ausstellungsprogramm
zu bieten. Mit einem besonderen Highlight wird deshalb die Wiedereröffnung des Museums
gefeiert: "Großstadtfieber - 75 Jahre ,The
New Yorker' ", so der Titel der Schau mit rund
120 Cover-Zeichnungen der berühmtesten
satirischen Künstler des 20. Jahrhunderts, die alle für
das inzwischen schon legendäre amerikanische
Magazin gearbeitet haben.
Die faszinierenden und zugleich meist nur selten gezeigten
Originale
stammen aus öffentlichem und privatem Besitz aus den USA und Europa sowie aus der
Sammlung des Museums. Viele davon konnten nur dank intensiver Recherchen in den vergangenen
Monaten aufgefunden werden. Dabei war die Zusammenarbeit mit Lee Lorenz, dem
langjährigen Artdirector des "New Yorker" und selbst
Cartoonist, sowie mit der Münchner Galerie
Bartsch & Chariau eine große und wichtige Hilfe.
Eine solche Ausstellung kann zugleich nur
realisiert werden, wenn auch private Sammler ihre
Schätze der Öffentlichkeit für eine begrenzte Zeit
zur Verfügung stellen. Dies trifft in
herausragender Weise auf Wolfgang und Karin Spießhofer zu.
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Saul Steinberg (1914-1999)
Titelblatt von:
The New Yorker 29.11.1976
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",The New Yorker' will be a reflection in
word and picture of metropolitan life" - so
kündigte Harold Ross 1925 sein neues Magazin an.
Zugleich versprach er: ",The New Yorker'
expects to be distinguished for its illustrations, which
will include caricatures, sketches, cartoons, and humorous and satirical drawings in keeping with its
purpose." Am 17. Februar 1925 erschien
die erste Ausgabe mit der Cover-Zeichnung eines Regency-Dandies von Rea Irvin. Seitdem findet man diese später
"Eustache Tilley" getaufte
Figur auf dem Titel eines jeden "Geburtstagsheftes" des Magazins.
Mit seiner Mischung aus Essays und Kritiken, humoristischen und satirischen Beiträgen
wendet sich der ,New Yorker' damals wie heute an ein großstädtisches, gebildetes, weltoffenes
Publikum. Sein Markenzeichen ist seine liberale Haltung und das kulturelle und soziale
Engagement. Jedes Heft enthält Buchbesprechungen
und Berichte über die Kulturszene: ,Goings on
about Town' kommentiert die wichtigsten Theater-, Konzert- oder Musik-Veranstaltungen,
,The
Talk of the Town' widmet sich einzelnen
Ereignissen mit besonderer gesellschaftlicher Relevanz.
Zwischen die Essays und Kritiken sind - in der Regel ohne Bezug zum Text - Zeichnungen
gestreut, die stilbildend für den "oneline cartoon" und
den Witz ohne Worte geworden sind. Eine völlig
eigenständige Bedeutung kommt den farbigen Titelblättern zu, die in der Regel für sich stehen,
in den letzten Jahren aber auch verstärkt einen
Bezug zum Inhalt des Heftes gehabt haben. Mit ihrem weitreichenden Einfluss gehören sie
ohne Zweifel zu den Höhepunkten der
satirischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Diesen
Cover-Zeichnungen ist die Ausstellung gewidmet.
Wie das "Who's Who" der satirischen
Kunst liest sich die Liste der Künstler, die in den
vergangenen 75 Jahren Titel-Illustrationen für
den ,New Yorker' entworfen haben. Von Rea Irvin bis Peter Arno, von Chas Addams bis
Charles Saxon, von Peter Barlow bis William Steig,
von Aaron Birnbaum bis James Thurber sind alle illustren Namen vertreten. Auch die
bedeutendsten der in Europa lebenden Zeichner
veröffentlichte der ,New Yorker' regelmäßig: André
François und Ronald Searle zum Beispiel, vor
allem aber Jean Jacques Sempé. Als "primus
inter pares" bei den Zeichnern des ,New Yorker'
gilt vielen Saul Steinberg, der im Jahre 1999 verstorben ist. Ohne Frage hat er gerade mit
seinen Zeichnungen für diese Zeitschrift sehr
großen Einfluss auf die jüngere Generation von
Karikaturisten - besonders in Europa - ausgeübt. Der ,New Yorker' präsentiert jedoch nicht
nur Zeichner, sondern auch eine beachtlich
große Zahl von Zeichnerinnen. Dies ist umso
bemerkenswerter, als Frauen in europäischen
satirischen Magazinen wie dem englischen ,Punch' oder selbst der jüngeren deutschen
,Titanic'
keine auch nur annähernd vergleichbare
Bedeutung haben. Ilonka Karasz und vor allem Helen Hokinson gehören fast von Anfang an dazu, ab
1940 dann auch Mary Petty. Ihnen folgen in den achtziger und neunziger Jahren Gretchen Dow
Simpson, Kathy Osborn Young und Roz Chast.
Diese Zeichnerinnen und Zeichner prägen
auf dem Cover das künstlerische
Erscheinungsbild des ,New Yorker' gerade auch durch ihre
kontinuierliche, manchmal sogar Jahrzehnte
währende Mitarbeit. In ihrer individuellen,
besonders grafisch oft sehr verschiedenen
Ausdrucksweise sorgen sie gleichzeitig für einen
spannungsvollen Wechsel. Stets hat sich der ,New Yorker' darum bemüht, junge Künstler einzubinden,
um so für eine laufende Erneuerung zu sorgen - sicher einer der Gründe, warum er auch nach
75 Jahren noch keinen Staub angesetzt hat.
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Helen Hokinson (1893-1949)
Titelblatt von:
The New Yorker 26.7.1930
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Im Juni 1992 machte der 'New
Yorker'
Schlagzeilen, als der Verleger S. I. Newhouse die Chefredakteurin von 'Vanity
Fair', Tina
Brown, für sein etwas müde gewordenes Magazin
engagierte. Bis zu ihrem - ebenfalls schlagzeilenträchtigen - Weggang 1998 veränderte sie
das Profil des 'New Yorker', ohne dem Magazin jedoch seinen Charakter zu nehmen. Sie
verpasste ihm einen Hauch von 'Vanity Fair' und ließ
eine lautere, aggressivere Bildsprache zu. Mit
einem programmatischen Cover eröffnete sie
ihre "Ära": Edward Sorels Punker, der sich in
einer traditionellen Kutsche mit einem in Frack
und Zylinder gekleideten Kutscher durch den
Central Park fahren lässt. Neben Edward Sorel
gehören Art Spiegelman, Barry Blitt und Ian Falconer
zu den interessantesten unter Tina Brown neu engagierten Künstlern.
Seit Sommer 1998 leitet nun David Remnick als fünfter Chefredakteur den 'New
Yorker'.
In einem Interview erklärte er: "We don't want
to forget hilarity" - Komik soll also weiter im 'New Yorker' eine wichtige Rolle spielen. Remnick sieht den
'New Yorker' als "place of clarity, coverage, intelligence, reliability" in einer
Umwelt, die von einem "blizzard of information"
geprägt ist. Verantwortlich für die Auswahl der
Cover-Illustrationen beim 'New Yorker' ist die Artdirektorin Françoise
Mouly. Sie betont: "Reliably,
the covers of 'The New Yorker' have provided a sometimes unsettling, often
hilarious,
always insightful commentary on the foibles of our times."
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