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Kulturberichte 1/00: Jürg Breuninger Stiftung

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Forschungs- und Studienstiftung zur jüdischen Geschichte und Wirkung des Holocaust - Gegründet in Zusammenarbeit mit dem Fritz Bauer Institut

Am Beginn eines neuen Jahrhunderts nimmt die Jürg Breuninger Stiftung ihre Arbeit auf. Dem Willen Jürg Breuningers folgend, soll jungen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen die Möglichkeit gegeben werden, bislang wenig erforschte Aspekte der Geschichte der Juden in Deutschland und der Geschichte und Wirkung des Holocaust unter aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen zu betrachten.

Stiftungszweck

Die Jürg Breuninger Stiftung fördert, in enger Zusammenarbeit mit dem Fritz Bauer Institut (Frankfurt am Main), die Erforschung der jüdischen Geschichte sowie der Geschichte und Wirkung des Holocaust. Besonders sollen solche Arbeiten gefördert werden, die sich auf der Grundlage von Quellen mit dem vielschichtigen Erbe der deutsch-jüdischen Geschichte auseinandersetzen und dabei zugleich den eigenen Standort mitreflektieren, also den Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart berücksichtigen.

Zur Erfüllung des Stiftungszwecks vergibt die Jürg Breuninger Stiftung Promotions- und Post Doc-Stipendien sowie andere Forschungs- und Reisestipendien, vorrangig an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Besondere Berücksichtigung erfahren Forschungsprojekte und Promotionsvorhaben, die dazu beitragen, auch bislang wenig beachtete Archivbestände, insbesondere in den neuen Bundesländern, zu erschließen und auszuwerten. Dabei werden vor allem Forschungsansätze mit interdisziplinärem Anspruch gefördert. Eingereicht werden können Promotionsvorhaben und andere Forschungsprojekte in unterschiedlichen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Dazu zählen sowohl geschichts- wie kulturwissenschaftliche, sozial- und literaturwissenschaftliche, pädagogische wie medientheoretische, film- und kunstgeschichtliche, theologische wie philosophische Forschungsvorhaben, die neue Erkenntnisse über die jüdische Geschichte wie auch über Geschichte, Wirkung und künstlerische Repräsentationen des Holocaust zu vermitteln und bislang unerforschte Quellen zu erschließen im Stande sind.

Jürg Breuninger

Der Kampf gegen Unrecht, das Gespräch mit den Opfern des Nazi-Terrors und die Erforschung der Geschichte verfolgter Minoritäten waren Lebensziele von Jürg Breuninger (18. Mai 1943 bis 5. Februar 1998). Aus seiner philosophischen Perspektive bildeten Naturforschung und Geschichtsstudium als unterschiedliche Wege zur Wahrheitsfindung eine Einheit. Erforderlich sei dafür allemal der untrügliche Blick für das Einzelne, auch für Phänomene, welche der oberflächlichen Betrachtung entzogen sind. Jürg Breuningers Studium der Physik und Philosophie in Göttingen war schon durch den Wunsch motiviert, natürliche Wirkungszusammenhänge von Grund auf zu verstehen. In der Mathematik und theoretischen Physik sah er einen Schlüssel dazu. Das Studium historischer Quellen eröffnete ihm außerdem einen Weg, um die sozialen Bedingungen des eigenen Denkens und Handelns zu erkunden. Darüber hinaus bot es ihm die einzige Möglichkeit, sich der Kultur der Juden in Deutschland anzunähern, nachdem sie durch die Barbarei der Naziherrschaft ausgelöscht worden war. Diese Erkenntnisziele veranlassten ihn dazu, in der Geschichtswerkstatt der Stadt Marburg, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Aktion Sühnezeichen, Pro-Asyl und anderen gemeinnützigen Gesellschaften mitzuarbeiten. Die Ziele und Arbeit des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt am Main hat er von Anfang an unterstützt. Er glaubte, dass die Beschäftigung mit dem größten Unrecht des 20. Jahrhunderts, dem Genozid an den Juden, unverzichtbar sei, wenn es darum geht, neuem Unrecht vorzubeugen.

Unauslöschlich eingeprägt hatte sich ihm die Begegnung mit jüdischen Zwangsarbeiterinnen aus Ungarn anlässlich einer Tagung in Stadtallendorf im Oktober 1990. Erich Frieds Verse "Gegen Vergessen" - "...denn ich kann nicht retten / ohne mich zu erinnern / auch mich nicht und nicht meine Kinder" - wählte er sich zum Motto seines Handelns. Dass sie weiterwirken mögen in der Jürg Breuninger Stiftung, ist sein Vermächtnis.

invisible.gif (85 Byte) Die Ausschreibungsunterlagen sind anzufordern bei der Jürg Breuninger Stiftung, Postfach 170147, 60075 Frankfurt am Main. Bewerbungsschluss: jeweils 30. Juni jeden Jahres.

 

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