Gesellschaft für deutsche Sprache: Wie denken die Deutschen über die Rechts- und Verwaltungssprache?

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Im Auftrag der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) und in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute e. V. (AsKI) hat das Institut für Demoskopie Allensbach in einer repräsentativen Umfrage die Erfahrungen der Bürgerinnen und Bürger mit der Rechts- und Verwaltungssprache ermittelt.

 

Zwischen dem 29.11. und 13.12.2008 wurden 1814 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählte Personen ab 16 Jahren mit einem standardisierten Fragebogen mündlich-persönlich befragt.

 

Die aktuelle Untersuchung beschäftigt sich mit den Fragen, welche Verständnisprobleme beim Lesen rechtssprachlicher Texte auftreten, inwieweit dies für die Betroffenen in der Vergangenheit Nachteile zur Folge hatte und für wie wichtig es die Sprachgemeinschaft erachtet, Verständlichkeitsbarrieren abzubauen.

 

Die Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland ist laut Umfrage mit Schreiben von Ämtern, Behörden, Gerichten oder Anwaltskanzleien konfrontiert – insgesamt 92% erhalten solche häufig (7%), ab und zu (31%) oder zumindest selten (54%).

Bei der Frage nach deren Verständlichkeit handelt es sich also um ein Thema von erheblicher gesellschaftlicher Relevanz. Wenn ein Großteil der Bevölkerung Schwierigkeiten hat, Rechts- und Amtstexte zu verstehen (86% der Befragten), besteht für Justiz und Verwaltung Handlungsbedarf, um eine erfolgreiche Kommunikation sicherzustellen. 20% der Interviewten gaben an, häufig Verständnisprobleme zu haben, 41% gelegentlich. Keine Schwierigkeiten haben nach eigener Angabe nur 10%.

 

Gut verständlich findet die Rechtssprache nur etwa jede achte befragte Person (13%). Die meisten halten sie für weniger gut verständlich (65%) oder gar völlig unverständlich (17%). Aufschlussreich ist, dass auch Personen, die nach eigener Angabe praktisch nie selbst mit juristischer Fachsprache zu tun haben, die Rechtssprache mehrheitlich als weniger gut verständlich (41%) bzw. völlig unverständlich (17%) einstuften – soweit sie sich darüber ein Urteil zutrauten. Hierin zeigt sich, dass diese Bewertung offensichtlich nicht nur aus konkreten Erfahrungen von Laien beim Lesen von Rechts- und Verwaltungstexten resultiert, sondern auch aus dem stereotypen Urteil, solche Texte seien schwer verständlich.

Für die Bürgerinnen und Bürger sind an Bescheide, Verwaltungsakte, Gesetzestexte etc. bestimmte Rechte und Pflichten geknüpft. Daher ist es Grundvoraussetzung, dass sie diese auch verstehen. Die Studie ergab, dass Allgemeinverständlichkeit für die Befragten Vorrang vor der Verwendung juristischer Fachsprache hat: 70% gaben an, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ämtern, Behörden, Gerichten oder Anwaltskanzleien in ihren Schreiben möglichst einfach und klar ausdrücken sollten. Nur 20% halten es in vielen Fällen für unumgänglich, solche Schreiben in der Fachsprache zu verfassen, selbst wenn diese nicht immer leicht zu verstehen ist.

 

Erklärungsbedürftige Fremdwörter und Fachbegriffe (61%) sowie umständliche Formulierungen (71%) stören die Befragten nach eigener Aussage am meisten. Dabei handele es sich um vermeidbare Verständnisbarrieren. Auch empfinden viele die verwendete Sprache oft als zu abgehoben oder unpersönlich. Von manchem wird auch eine oftmals veraltete Sprache oder ein unhöflicher Ton beklagt.

An konkrete Nachteile infolge von Verständnisschwierigkeiten erinnerten sich spontan nur wenige. Immerhin 9% der befragten Personen gaben jedoch an, dass ihnen daraus schon einmal höhere Kosten, z. B. durch Versäumnisgebühren, entstanden seien. Als weitere negative Folgen wurden Fristversäumnisse und damit verbundene Leistungsverzögerungen sowie Zeitverlust durch mühsame Lektüre und überflüssige Laufereien angeführt.

 

Insgesamt zeigt die Erhebung deutlich, dass eine bessere Verständlichkeit von Rechts- und Verwaltungstexten sehr vielen Bürgerinnen und Bürgern ein wichtiges Anliegen ist. So halten es 84% der Bevölkerung für wichtig oder sogar sehr wichtig (jeweils 42%), dass Ämter und Behörden in ihren Schreiben weniger auf juristische Fachsprache zurückgreifen und sich einfacher und klarer ausdrücken, damit die Texte für alle Betroffenen verständlich werden. Nur eine kleine Minderheit findet dies weniger oder gar nicht wichtig (12 bzw. 2%).

 

Gefördert wurde die Studie vom AsKI aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

 

Karin M. Eichhoff-Cyrus/Gerd Antos/Rüdiger Schulz

 

Die vollständige Broschüre zur Umfrage findet sich auf der Homepage der GfdS und in der Onlineausgabe des Newsletters KULTUR lebendig des AsKI. Sie kann zudem gegen einen frankierten Rückumschlag kostenlos bei der GfdS angefordert werden.

 

 

 

AsKI-Newsletter KULTUR lebendig 2/2009

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