EDITORIAL

Fünfzig – zwanzig – fünfhundert sind die Maße des Erinnerungskörpers, in dem sich der AsKI im Jahr 2017 bewegt. 1967 als Zusammenschluss von sieben ‚weder staatlich noch kommunalen Kulturinstituten von besonderer Bedeutung' gegründet, war es bereits nach sechs Jahren intensiver Lobbyarbeit in Bonn gelungen, die Bundeszuwendungen an die Mitglieder zu verdoppeln – „Pflege des höheren Bettels" wie ein Vorsitzender salopp formulierte.

Titelbild KULTUR lebendig 1/17: <Die Welt unter der Narrenkappe>, anonym, 16. Jh., Kupferstich, koloriert  Graphische Sammlung, Germanisches National- museum, Nürnberg.  Ausstellung <Luther, Kolumbus und die Folgen>

In den folgenden zwei Jahrzehnten rückte der AsKI mit hochkarätigen Ausstellungen in der kulturell damals minderbemittelten Bundeshauptstadt die Bedeutung seiner Institute ins rechte Licht; Tourneen schlossen sich an. Die deutsche Vereinigung und in deren Folge die neustrukturierte Kulturpolitik des Bundes formten das heutige Gesicht des AsKI. Die Maecenas-Ehrung, die das besondere bürgerschaftliche Engagement in seinen aktuell 36 Mitgliedsinstituten spiegelt, Projektförderungen, Fachtagungen, Informationsdienste und Gemeinschaftsprojekte bestimmen die Arbeit. Im Jubiläumsjahr kommen neben einem AsKI-Auftritt auf der Leipziger Buchmesse ein Relaunch der website sowie der Start virtueller Präsentationen zu gemeinsam ausgewählten Themen im Internet hinzu; am 30. Mai 2017 befragt eine Jubiläumstagung Wandel und Zukunftsperspektiven der sammelnden Kulturinstitute.

Hinter der schlanken Jubiläumszahl 20 verbergen sich mächtigere 210 Jahre, die zwischen der Eröffnung der Casa di Goethe in Rom im Jahr 1997 und Goethes italienischer Reise liegen. Als integraler Teil des AsKI schlägt das einzige deutsche Museum im Ausland mit einer historischen Präsentation und aktuellen Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen und einem von der Karin und Uwe Hollweg-Stiftung geförderten Stipendiatenprogramm höchst erfolgreich die Brücke in die Gegenwart. Den AsKI-Instituten dient die Casa di Goethe zudem als Schaufenster ihrer Bestände und Arbeit. Und „Alle Wege führen nach Rom" lau

tet auch der Arbeitstitel für eine der ersten virtuellen Präsentationen, in denen der AsKI die deutsch-römische Kulturgeschichte aus der Sicht seiner Mitgliedsinstitute beleuchten wird.

Dem fünfhundertjährigen Jubiläum der Reformation widmet sich die bereits im vorigen Heft angezeigte Gemeinschaftspublikation „Folgenreich: Reformation und Kulturgeschichte". Die vorliegende Ausgabe berichtet – neben Beiträgen über die Maecenas-Ehrung an Hermann-Hinrich Reemtsma und aktuellen Projekten – über drei weitere Vorhaben der AsKI-Mitglieder zur Lutherdekade: Eine Veranstaltungsreihe der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt sowie Ausstellungen im Goethe-Museum Düsseldorf und im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Letzterer, mit dem Titel „Luther, Kolumbus und die Folgen", verdanken wir das enigmatische Umschlagmotiv, das inzwischen ungeahnte Aktualität erhalten hat: Im Sichtfeld des Narren die – um Amerika erweiterte – Weltkarte. Und in diesem Zusamme

nhang: Neben der Präsentation kultureller Entwicklungsgänge und Fortschritte bedarf es wieder prägnanter Formate, die das – scheinbar – neue Phänomen vereinfachter Weltsichten, die sich von unseren politischen und kulturellen Werten lossagen, ins Blickfeld rücken.

 

Dr. Wolfgang Trautwein, Vorsitzender des AsKI, Foto: privat

 

 

 

 

AsKI KULTUR lebendig 1/2017

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