EDITORIAL: Die "neue beßre Freiheit"

Volkmar Hansen, Vorsitzender des AsKI


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In Schillers „Wilhelm Tell“ gibt es zwei Szenen, die als der intellektuelle Kern betrachtet werden müssen, die Rütli-Szene (II,2) und die Szene, in deren Zentrum Attinghausens Tod steht (IV,2). Die erste begründet den Bund des Volks der „Schweizer“ Ur-Kantone gegen Fremd- und Gewaltherrschaft, die zweite lässt der historischen Bedeutung des Adels Gerechtigkeit widerfahren, deutet zugleich dessen Aufgehen im demokratischen Prozess an. In den Worten des sterbenden Attinghausen, der „das Herrliche der Menschheit“ nicht mehr allein im Adel verkörpert sieht, wird das Entstehen der „neuen beßren Freiheit“ der Demokratie begrüßt, ebenso wie in der Gestalt des Erben Rudenz, der eine wechselseitige Hilfe im gemeinsamen Ziel der Förderung des Vaterlandes einfordert.

Das Jubiläumsjahr 2005 trägt durch vielfältige Aktivitäten, auch wichtige Ausstellungen, dazu bei, solche prägenden Prinzipien deutscher Tradition wieder bewusst zu machen, besonders, wenn sie in der Gestalt des vor 50 Jahren verstorbenen Thomas Mann angesprochen werden, dessen „Versuch über Schiller“ jetzt auch in einer CD als bewegender Redetext vorliegt. 1955 versammelten sich die Schüler in den Gymnasien, um in einer Radioübertragung den Worten des exilierten Repräsentanten zuzuhören. Seiner Hoffnung, durch die festliche Erneuerung von Schillers „Grablegung und Auferstehung“ lasse sich etwas übertragen, ist nichts hinzuzufügen: „von seinem Willen zum Schönen, Wahren und Guten, zur Gesittung, zur inneren Freiheit, zur Kunst, zur Liebe, zum Frieden, zu rettender Ehrfurcht des Menschen vor sich selbst“.

 

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