Die schönste Adresse in Berlin - Eröffnung des Archivs der Akademie der Künste am Pariser Platz

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Nach der feierlichen Rückkehr der Akademie der Künste an den angestammten Ort am Pariser Platz 4 Berlin Mitte öffnete nun wenige Tage später, am 6.6.2005, auch das Archiv der Akademie seine Pforten.

Der Architekt des gläsernen Baus zwischen Adlon und DZ Bank, Günter Benisch, fand schließlich auch eine bauliche Lösung für das Archiv mit umfangreichen Depoträumen viergeschossig unter der Erde.
Akademie-Präsident Adolf Muschg bei der Begrüßungsrede am 21. Mai 2005, © Foto: Mayer.adk
In seiner Begrüßungsrede gab Professor Adolf Muschg, seit 2003 Präsident der Akademie, einmal mehr einen Abriss der 300-jährigen Geschichte der Akademie und des Baus – einer Gründung durch Kurfürst Friedrich III 1696 und dessen Architekten Ernst von Ihnes –, schilderte die Glanzzeit unter dem Präsidium Max Liebermanns vor dem Niedergang in der Zeit von 1933 bis hin zur Zusammenführung der Akademien Ost und West 1993 und zur verschlungenen zehnjährigen Baugeschichte des 'Glashauses'. Im Anschluss daran spielte Frank Gutschmidt "Klaviermusik Nr. IV", 1993/94 komponiert von Paul-Heinz Dittrich, der anwesend war.

Thomas Schendel las von Karl Scheffler 'Tabula Rasa' (1934), von Bertolt Brecht 'Liste, aufgestellt am 8. Dezember 1938’ und aus einem Brief von Friedrich Luft vom 23.8.1988 an das Archiv. Dieser freundschaftliche Brief, gerichtet an Dr. Wolfgang Trautwein, Direktor des Archivs, macht deutlich, welch schwieriges Geschäft das des Archivars doch sein kann, wenn die Zeitzeugen sich nicht bewusst sind, dass das, was sie beim Aufräumen oder Abarbeiten nicht aufbewahren, unwiederbringlich ist und genau der 'Stoff' wäre, der Archive ausmacht.

Wolfgang Trautwein berichtete unter dem Titel "Neues vom Archiv am Pariser Platz" von seiner Arbeit. Er erläuterte, dass der Bund schließlich auch für das Archiv die Trägerschaft übernommen habe und es ihm gelungen sei, den Status der Mitarbeiterstärke und der Mittel zu erhalten; er berichtete von den mittlerweile nicht nur trockenen, sondern geradezu ‚keimfreien’ Depoträumen, informierte über Daten und Fakten wie die 6.000 laufende Regalmeter mit Unikaten, Schriften- und Notenmanuskripten, Regie- und Drehbüchern, Korrespondenzen, Tagebüchern und persönlichen Dokumenten. Überdies seien nunmehr am Pariser Platz 25.000 Blatt Bühnenbild- und Theatergraphik, 380 Planschrankschübe und 1.300 Rollen mit Bauplänen sowie fast 550.000 Fotos zugänglich. Zuvor seien seit Herbst 1993 die Akademien vereint und die Archive Ost und West in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste zusammengeführt worden; wobei bis Ende 2004 351 Künstler- und 21 Institutionenarchive übernommen und eingerichtet worden seien, insgesamt also 372 neue Bestände – die noch zahlreicheren Bestandsergänzungen nicht eingerechnet.

Qualifiziert, bescheiden und kooperativ war es Trautwein mit seinem Kollegenteam gelungen, auch die Bibliothek mit ihren 530.000 Bänden und 60.000 Werke der Kunstsammlung an den Pariser Platz zu holen. Vorher an zahlreichen Stellen über die Stadt verteilt, sind es nun mit der Akademie noch sechs Gebäude.

Trautwein sprach aber auch von Berühmtheiten und Kostbarkeiten innerhalb der Sammlung, vom ‚Dialog der 6 Künste’, dem nicht nur inter-, sondern multidisziplinären Archiv mit einem ‚Archiv-Schau-Fenster’ und der Möglichkeit für (Kabinett-) Ausstellungen. Eine solche ist zur Eröffnung zu sehen: „’Die Kunst war nunmehr eine Funktion der Macht’ (Heinrich Mann) – Austritte und Ausschlüsse von Mitgliedern der Akademie der Künste 1933-1938“.

Der Reigen der Lesungen ging am Abend weiter: Aus den Vorarbeiten Christa Wolfs für 'Kindheitsmuster' (1976) und aus Walter Benjamins "Ausgraben und Erinnern“ (um 1932) las Thomas Schendel im überfüllten Plenarsaal mit Zuschauertribüne. Die 12-minütige Film-Uraufführung "Consecutio Temporum" 2003 (Idee: Christina Kubisch, Musik: Georg Katzer, Produktion+Regie: Michael Muschner) schloss sich an. Danach wurden die Dachterrasse und der Clubraum im 4. Stock zugänglich gemacht und zwei Führungen durch das Magazin angeboten. Und als Geschenk erhielten die Gäste des Abends die Ausgabe des Bandes "Künstlerarchive in der Akademie der Künste", erarbeitet von Hans-Joachim Bretschneider und Wolfgang Trautwein, als eine Art Rechenschaftsbericht über das Erreichte.

Ein gelungener Abend, eine lockeres Opening nach einer wahren Herkulesarbeit hinter den Kulissen.


Sabine Jung

AsKI-Newsletter KULTUR lebendig 2/2005

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