Casa di Goethe, Rom: Michael Ende in Italien

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Kaum ein Bücherschrank, in dem sich nicht die „Unendliche Geschichte“ fände, kaum ein Kind, das nicht mit „Momo“ oder „Jim Knopf“ aufgewachsen wäre. Mit seinen Büchern schrieb sich Michael Ende (1929-1995) weltweit in die Herzen von jungen und jung gebliebenen Lesern.

 

Jahre nach seinem Tod ist er noch immer einer der beliebtesten deutschen Schriftsteller. Seine Bücher wurden in nahezu 40 Sprachen übersetzt und haben weltweit eine Gesamtauflage von über 20 Millionen Exemplaren erreicht. Zahlreiche internationale Preise dokumentieren die Anerkennung, die sein literarisches Schaffen bis heute genießt.

 

Michael Ende, um 1983, Nachlass Michael Ende Michael Ende, der am 12. November 2009 80 Jahre alt geworden wäre, verfolgte mit seinen Büchern das Ziel, aus den irrealen Ländereien der Kunst und Imagination etwas ins reale Leben herüberzuretten – nicht zur Vermischung, sondern zur Bereicherung. Im Sinne der Romantiker wollte Ende die Welt wieder mit Poesie aufladen, die Phantasie der Menschen mobilisieren und auf eine geistige Wirklichkeit verweisen, die hinter den Dingen steht. Neben seinen Jugendbuch-Klassikern schrieb Ende auch Theaterstücke, Opernlibretti, Hörspiele, phantastisch-surreale Geschichten und Gedichte voll hintergründigem Humor.

 

15 Jahre seines Lebens verbrachte Ende in Italien. Sein Umzug im Jahr 1970 war de facto eine Art Emigration. Dem in Deutschland äußerst erfolgreichen Autor hatte die Kulturkritik der 68er mangelnde Sozialkritik vorgeworfen und ihn als „Fluchtliterat“ ins Reich der Phantasie verwiesen. Nach zahlreichen Anfeindungen hatte Ende deswegen Deutschland im Zorn verlassen. Er zog mit seiner Frau Ingeborg Hoffmann nach Genzano di Roma ca. 30 Kilometer südlich von Rom. Die in Italien herrschende künstlerische Vielfalt und Toleranz faszinierten ihn und regten ihn bei seiner Arbeit an. Viele seiner Meisterwerke entstanden hier. In Italien reiften seine Ideen, die dann auch in Deutschland so viel Anklang fanden, dass der Autor zu einer Kultfigur und „Die unendliche Geschichte“ zu einem der erfolgreichsten deutschen Bücher der Nachkriegszeit wurde. Nach dem Tod seiner Frau kehrte Ende 1985 nach Deutschland zurück.

 

Buchcover Momo, Thienemann Verlag Zum ersten Mal werden nun mit der Ausstellung „Michael Ende in Italien“ ausführlich diese prägenden italienischen Jahre vorgestellt. Die Ausstellung der Casa di Goethe erzählt mit Texten, Fotos und Originaldokumenten Endes Leben als Geschichte einer künstlerischen Selbstfindung. Erst in Rom, in Anbetracht der phantastisch-manieristischen Tradition der Stadt, war ihm klar geworden, dass alles, was ihn künstlerisch und poetisch bewegte – das Phantastische –, keineswegs ‚eskapistisch’ war, keineswegs nur einer mehr oder weniger wirklichkeitsfernen Lust am Absonderlichen, Entlegenen entsprang, sondern einer künstlerischen Grundhaltung, der er sich zugehörig fühlen konnte.

 

Highlights der Ausstellung sind Originalhandschriften aus dem Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach („Momo“ und „Die unendliche Geschichte“) sowie persönliche Gegenstände des Schriftstellers. Ein besonderes Augenmerk wird dem Thema „Michael Ende und die Musik“ gewidmet. Kaum jemand weiß, dass Wilfried Hillers Oper „Der Goggolori“, für die Ende das Libretto schrieb und die Hiller als Stipendiat der Villa Massimo in Rom komponierte, zu einer der erfolgreichsten deutschen Oper nach dem Zweiten Weltkrieg wurde und dass sie unmittelbar von einem italienischen Vorbild beeinflusst wurde. Endes Rezeption in Italien, die Tradition des Phantastischen in Rom, sein Verhältnis zu italienischen und deutsch-römischen Künstlerkreisen sowie seine Freundschaft mit Angelo Branduardi werden ebenso thematisiert wie das prägende Verhältnis zu seinem Vater, dem surrealistischen Maler Edgar Ende.

 

Roman Hocke und Uwe Neumahr


Katalog: Michael Ende in Italien - Michael Ende in Italia

Zur Ausstellung hat die Casa di Goethe den zweisprachigen Katalog „Michael Ende in Italien“ herausgegeben.
104 Seiten, zahlreiche Abbildungen. ISBN 978-3-930370-22-1
Der Katalog kann zum Preis von 15 Euro über die AsKI-Geschäftsstelle bezogen werden.

 

 

 

 

 

 

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