AsKI e.V.: Maecenas-Ehrung 2016 an Hermann-Hinrich Reemtsma

Hermann-Hinrich Reemtsma (links) erhält die Maecenas-Urkunde aus den Händen von Dr. Wolfgang Trautwein, Foto: Andreas Weiss, Hamburg

Am 7. November 2016 verlieh der AsKI im Rahmen einer Festveranstaltung im Ernst Barlach Haus in Hamburg seine Maecenas-Ehrung an den Hamburger Mäzen Hermann-Hinrich Reemtsma für dessen „beispielgebendes vielseitiges Engagement, mit dem er das kulturelle und soziale Leben in Deutschland bereichert“.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des AsKI, Dr. Wolfgang Trautwein, überbrachte der Vertreter der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Ministerialdirektor Dr. Günter Winands, die Glückwünsche und Grüße von Staatsministerin Prof. Monika Grütters, verbunden mit ihrem Dank für das außergewöhnliche kulturelle Engagement des Geehrten.Dr. Günter Winands, Foto: Andreas Weiss, Hamburg

Winands verwies zu Beginn darauf, dass die Maecenas-Ehrung ein Zeichen setzen und öffentlich machen solle, was selbstloses Handeln Einzelner für das Gemeinwohl bedeutet: „Die Kultur als elementarer Bestandteil einer freiheitlichen Demokratie gehört zum Fundament unserer Gesellschaft." Die Bewahrung des kulturellen Erbes und die Sicherung des kulturellen Lebens sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, deren wesentliche Grundlagen staatliches Handeln wie auch privates Engagement sind. Er betonte weiter: „Es gibt in unserem Land eine lange Tradition bürgerschaftlichen und privaten Engagements für Kunst und Kultur. Wesentliche Teile unseres kulturellen Reichtums sind getragen vom Bürgersinn kunstbegeisterter Mäzene, denen die Förderung der künstlerischen Avantgarde ebenso ein Herzensanliegen ist wie der Erhalt des kulturellen Erbes. Dies ist ein Gewinn für unsere Gesellschaft, ein Glück für die Kulturnation Deutschland. Zu diesen Glücksfällen gehört zweifelsohne auch das mäzenatische Wirken von Hermann-Hinrich Reemtsma." Winands betonte weiterhin, dass gerade der selbstlose Einsatz für kulturelle und soziale Angelegenheiten – bei äußerster hanseatischer Zurückhaltung – das mäzenatisches Handeln des Geehrten präge.

Prof. Dr. Hubertus Gaßner unterstrich zu Beginn seiner Laudatio, dass er in seiner Funktion als ehemaliger Direktor der Hamburger Kunsthalle zu den Glücklichen gehört habe, die in den vergangenen Jahrzehnten von der Hermann Reemtsma-Stiftung auf das Großzügigste bedacht worden sind. Dass die Stiftung bereits in den ersten 20 Jahren nach ihrer Gründung im Jahr 1988 durch Hermann-Hinrich Reemtsma und seine erste Frau Eike 280 Projekte gefördert hat, sei für eine private Stiftung eine enorme Zahl, die sich in den vergangenen Jahren noch einmal verdoppelt habe. Zwischen 2008 und 2015, also in nur 7 Jahren, seien es alleine schon 268 Projekte gewesen, die von der Stiftung Zuwendungen in unterschiedlicher Höhe erhalten haben. Man ginge jedoch völlig fehl in der Annahme, dass diese große Zahl von Förderinitiativen nur bewältigt werden könne, wenn dabei nach dem Gießkannenprinzip verfahren würde. „Projektanträge werden auf Herz und Nieren geprüft, ob sie den Kriterien der Gemeinnützigkeit und Nachhaltigkeit genügen und ihre langfristige Fortsetzung finanziell und personell gesichert ist. Der endgültigen Bewilligung eines Antrages gehen dann Besuche und Gespräche vor Ort voraus, wo aus den Antragstellern und Projektverantwortlichen Projektpartner werden – wenn die Kontakte zu entsprechenden positiven Ergebnissen geführt haben." Gaßner wies darauf hin, dass gerade das ganz persönliche Kennenlernen, der Gedankenaustausch, die Vorleistungen, die Eigeninitiative und die Persönlichkeiten der Antragsteller in dieser Phase an erster Stelle stünden. Denn, so laute das Credo der Hermann Reemtsma-Stiftung seit ihrer Gründung: „Wir verstehen unsere Stiftung als Partner ‚der klugen Köpfe' vor Ort. Von ihnen profitiert die Stiftung, ja von ihnen hängt ihr Erfolg und ihre Existenz ab."

Prof. Dr. Hubertus Gaßner (rechts)  und Bernhard Reemtsma, Foto: Andreas Weiss, Hamburg

Gaßner fuhr fort: „Diese Handlungsmaxime eines mitmenschlichen Handelns verdankt sich nicht nur einer humanistischen Einstellung, sondern ebenso der lebensklugen, auf jahrelanger Erfahrung fußenden Einsicht, dass jede Initiative, jedes Projekt nur so lange lebensfähig bleibt und Erfolg hat, solange die dahinter stehenden Menschen dafür bürgen. Auf diese Weise werde der Beschenkte zum gleichwertigen Partner der Stiftung, keineswegs jedoch nach dem kaufmännischen, vielleicht sehr hanseatischen Prinzip des ‚Do ut des – Ich gebe, damit du gibst', sondern weil die Stifterfamilie und mit ihr der gesamte Vorstand ganz bewusst auf die Kompetenz, die Motivation und die Zuständigkeit der Antragsteller setzen." Gaßner zitierte Bernhard Reemtsma, den heutigen Vorsitzenden der Stiftung, mit den Worten „Wir haben nicht den Anspruch, von einem ‚Leuchtturm' und ,Pilotprojekt' zum nächsten zu streben und uns damit schmücken zu wollen. Wir setzen auf kleine Einheiten, auf den Förderverein, die lokale und private Initiative, die engagierte Einzelperson". Gaßner merkte aber auch an, dass der Ertrag dieses Aufwandes sich kaum in medienwirksamen Schlagzeilen messen lasse, „denn dieses großzügige, effektive und nachhaltige Wirken im Hintergrund, dieser noble Verzicht auf die Verlockung, sich im Rampenlicht der Medienöffentlichkeit als Wohltäter der Nation feiern zu lassen und im Beifall des Publikums zu baden, bezeichnet eine zweite Sonderheit der Reemtsmaschen Förderpraxis, die manchem Marketing-Spezialisten und Image-Pfleger vielleicht als ein Relikt aus der guten alten Zeit mäzenatischer Selbstlosigkeit und Zurückhaltung erscheinen mag." Doch gerade deshalb wirke diese Sachorientierung und Zurückhaltung in der Selbstdarstellung für Kenner der Materie und für die Geförderten umso überzeugender und sympathischer. Er fuhr fort: „In der Art und Weise, wie die kulturellen und die sozialen Förderprojekte aus demselben Geist erwachsen und sich aufeinander beziehen, nicht als Gegensätze, sondern in harmonischer Ergänzung, die von einer besonderen Idee getragen ist, darin scheint mir der Wesenskern der Fördertätigkeit von Hermann-Hinrich Reemtsma und seinen drei Kindern zu bestehen, die heute aktiv in die Tätigkeit der Stiftung einbezogen sind." Das Leitbild der Stiftung „Hilfe zur Selbsthilfe" bringe das Kunststück zustande, den scheinbaren Gegensatz von Luxus und Armenfürsorge, von hoch qualifizierter ästhetischer und künstlerischer Bildung und Obdachlosenhilfe aufzuheben. Beispielhaft habe Hermann-Hinrich Reemtsma, ganz im Geiste seiner Eltern, denen bereits das Hanna Reemtsma Haus und das Ernst Barlach Haus zu verdanken sind, mit der Instandsetzung und Renovierung des Richard Dehmel-Hauses in Blankenese, das als ein bedeutendes historisches Zeugnis künstlerischen Gemeinschaftslebens in Hamburg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist, einen dritten Ort in Hamburg für die Allgemeinheit geschaffen (siehe folgenden Beitrag).

Unter großem Beifall überreichte der AsKI-Vorsitzende Wolfgang Trautwein dem Geehrten die Maecenas-Urkunde und die Bronzeskulptur „Nike" des Künstlers Manfred Sihle-Wissel. Sichtlich bewegt dankte im Anschluss Hermann-Hinrich Reemtsma für die Ehrung und die Unterstützung durch seine Familie.

Auf besonderen Wunsch des Preisträgers wurde der musikalische Rahmen des Abends von Studentinnen und Studenten der Hochschule für Musik und Theater Hamburg mit Werken von Bach, Rachmaninov und Donizetti gestaltet.Hermann-Hinrich Reemtsma vor dem Bildnis-Kopf des Maecenas, Foto: Andreas Weiss, Hamburg

Hier können Sie sich über die vielfältige Arbeit der Hermann Reemtsma-Stiftung informieren:
www.hermann-reemtsma-stiftung.de

 

Franz Fechner M.A.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, AsKI e.V.

AsKI KULTUR lebendig 1/2017

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