AsKI e.V.: Interne Fachtagungen 2014

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AsKI-Fachtagung ‘Kulturelle Bildung‘ in der Kunsthalle Emden 9/2014, Foto: Franz Fechner, Bonn

Unter dem Thema „Haftungsfragen von Vorstandsmitgliedern" und „Private Stiftungen und öffentliche Verwaltung" fand im Januar eine interne Fachtagung für die AsKI-Mitgliedsinstitute im Beethoven-Haus in Bonn statt.

Mit den Möglichkeiten der Risikominimierung in Haftungsfragen im Vereins- und Stiftungsrecht befasste sich am Vormittag der Rechtsanwalt und Steuerberater Thomas von Holt, spezialisiert auf Rechts-, Steuer,- und Organisationsberatung von steuerbegünstigten Rechtsträgern. Am Nachmittag zeigte Volker Hagedorn, Justiziar und Verwaltungsleiter der Humboldt Stiftung, häufig auftretende Fragestellungen zum Zuwendungsrecht auf, insbesondere Konfliktfelder, die sich durch rechtliche Selbständigkeit einerseits und dem Zuwendungsrecht andererseits ergeben können, so etwa der Umgang mit Drittmitteln oder das Problem der Rücklagenbildung. Diese und andere Fragen wusste Norbert Dittrich, Kommentator der Bundeshaushaltsordnung mit Schwerpunkt Zuwendungsrecht (gewissermaßen der „Papst des Zuwendungsrechts") versiert zu beantworten und forderte die Teilnehmer ausdrücklich auf, das Zuwendungsrecht „kreativ" anzuwenden.

Gastgeber des zweitägigen Erfahrungsaustausches „Kulturelle Bildung – Best-Practice-Beispiele aus den Mitgliedsinstituten des AsKI" war im September die Kunsthalle Emden.

Claudia Ohmert, Leiterin der dortigen Museumspädagogik, stellte einleitend partizipative Besucherprojekte vor, die seit 2006 in Emden im Ausstellungskontext stattfinden. Vielfältige Ideen – vom 3D-Drucker bis hin zu performativen Interventionen – wurden bereits realisiert. Besucher können sich mit eigenen Beiträgen beteiligen und die Ergebnisse ihrer Arbeit im Museum sehen: Als aktuelles Beispiel konnten die Tagungsteilnehmer im Rahmen einer Führung durch die laufende Sonderausstellung das Projekt „masking Jawlensky" vor Ort besichtigen.

Dass Erfahrungsgewinn und Lebensfreude durch Kunst das wichtigste Anliegen des kulturellen Vermittlungsprogramms KUNSTWELTEN der Akademie der Künste ist, zeigte Marion Neumann, Leiterin des Fachbereichs, an Hand zahlreicher Projekte auf. In Führungen und Einführungen, Gesprächen, Werkstätten und künstlerischen Aktionen werden Themen und Projekte der Akademie und ihrer Mitglieder den Teilnehmern näher gebracht. Künstler aller Sektionen begegnen Kindern und Jugendlichen mit Empathie, wecken ihre Neugier und Begeisterung. Das Besondere an KUNSTWELTEN ist die Mobilität, denn die Programme finden neben den Stammhäusern der Akademie in Berlin in den Akademie-Archiven sowie in Städten und Regionen der neuen Bundesländer statt.masking Jawlensky, 2014, Partizipatives Besucherprojekt in der Kunsthalle Emden, © Foto: Franz Fechner, Bonn

Jörg-Philipp Thomsa, Leiter des Günter-Grass-Hauses in Lübeck, berichtete über neue Vermittlungsformate in seinem Haus, die dazu geführt haben, dass sich das Publikum deutlich verjüngt und die Kennzahlen erheblich verbesserten. Beispielhaft stellte er die Sonderausstellung „Jugendgefährdende Schriften. Von Goethe, Grass & Co.", die Busreise „Mit Grass on Tour", die Cornelia Funke-Schau sowie die neugestaltete Sammlungsausstellung vor.

Doris Schumacher, Abteilung Bildung und Vermittlung des Frankfurter Goethe-Hauses, stellte den Schreibwettbewerb „Mein Besuch im Frankfurter Goethe-Haus" vor, der 2013 anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Erwerbung des Goethe-Hauses durch das Freie Deutsche Hochstift durchgeführt wurde.

„Minecraft als Simcity" – ganz aktuell konnte Carola Rupprecht, Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung, aus dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden berichten: Im Rahmen der Sonderausstellung „Das neue Deutschland. Von Migration und Vielfalt" wurde eine Stadtbauwerkstatt eingerichtet, in der Kinder und Erwachsene gemeinsam an einem neuen Dresden bauen konnten. Während der Sommerferien gab es in Kooperation mit dem Medienkulturzentrum Dresden ein viertägiges Projekt für Jugendliche ab 10 Jahren. Es führte zuerst in die Stadt und die Ausstellung. Anschließend entwarfen die Jugendlichen im Computerspiel Minecraft Gebäude neu, die mit Hilfe eines 3D Druckers in die echte Welt geholt und in das Modell der Stadtbauwerkstatt eingebaut und abschließend in der Stadt vor Ort dokumentiert wurden. Kostenlose medienpädagogische Projekte für Kinder und Jugendliche versteht das Hygiene-Museum als Chance, Jugendliche außerhalb von Schule für das Museum zu gewinnen.

Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses Bremen, stellte ein gemeinsames Projekt von Bremer Rat für Integration, Gerhard-Marcks-Haus und Gesamtschule Ost vor, das im Rahmen des bundesweiten Projekts „Alle Welt: Im Museum" vom Deutschen Museumsbund gefördert wurde: Nacktsein wird je nach Kontext, Lebensalter, aber auch sozialer und kultureller Herkunft, unterschiedlich wahrgenommen und bewertet. In dem Projekt ging es vor allem darum, dass Schüler der 7., 8., 10. und 11. Klasse ihre Position zum Thema „Ist nackt schlimm?" reflektieren und darüber mit ihrem Umfeld ins Gespräch kommen. Das Ergebnis war eine Ausstellung, die im Winter 2013 im Gerhard-Marcks-Haus gezeigt wurde.

Mehr als 200 Kinder und Jugendliche installierten in 21 Räumen einer leerstehenden Büroetage auf 500qm ein begehbares Bilderbuch zu Heinrich von Kleist – die Kleist-WG. Von den ganz unkonventionellen Begegnungen mit dem Frankfurter Dichter berichtete Christina Dalchau, Lehrerin am Kleist-Museum, Frankfurt (Oder), und stellte zusätzlich ein adaptierbares MAIL-ART-Projekt vor.

Im Herbst 2013 war das Schlossmuseum Weimar Austragungsort eines besonderen Projekts, das Elke Kollar von der Klassik Stiftung Weimar präsentierte: Schülerinnen und Schüler erarbeiteten einen neuen Audioguide, wie sie ihn selbst gern hören würden. Eine Gymnasial- und eine Regelschulklasse waren eingeladen, auf Zeitreise zu gehen und ihre Eindrücke akustisch umzusetzen. Während des Projekts hatten sie die Möglichkeit, verschiedene Formen des kreativen Schreibens und Formate des Journalismus kennenzulernen. Begleitet wurden sie dabei durch die Lehrkräfte, einen professionellen Rundfunkjournalisten und zwei Museumspädagoginnen. Abschließend sprachen sie ihre Texte im MDR-Landesfunkhaus Erfurt ein. Die Audios wurden professionell geschnitten und auf die Audioguidegeräte im Schloss aufgespielt und stehen allen Besuchern des Schlossmuseums dauerhaft zur Verfügung.

Wegen der erfreulichen Resonanz plant die AsKI-Geschäftsstelle auch für das nächste Jahr eine Fortsetzung der internen Fachtagungen.

Franz Fechner

AsKI KULTUR lebendig 2/2014

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